Gericht lässt vier verurteilte Madrid-Attentäter frei
Auch der als Drahtzieher verdächtigte Rabei Osman Sayed Ahmed bleibt auf freiem Fuß. Bei den Anschlägen vor fast vier Jahren starben 191 Menschen, mehr als 1.800 wurden verletzt.

Foto © APA191 Menschen starben bei den Anschlägen in Madrid
Mehr als vier Jahre nach den Madrider Terroranschlägen am 11. März 2004 mit 191 Toten sind in einem Berufungsverfahren vier der Angeklagten freigesprochen worden. Auch der als Drahtzieher verdächtigte Rabei Osman Sayed Ahmed alias "Mohammed der Ägypter" bleibt auf freiem Fuß. Der Oberste Gerichtshof Spaniens wies am Donnerstag die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Berufung gegen Osmans Freispruch im vergangenen Oktober zurück.
Geringe Beweislage.
Rabei Osman war im Oktober mangels Beweisen freigesprochen worden;
im Berufungsverfahren hatte die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung
wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gefordert.
Der Oberste Gerichtshof schloss sich jedoch der Auffassung des
Sondergerichts an, wonach der 36-Jährige deswegen bereits in Italien
inhaftiert gewesen sei und dafür nicht erneut bestraft werden könne.
Verfahrensfehler.
Die Staatsanwaltschaft erklärte, der Freispruch des gebürtigen
Ägypters sei teilweise wegen eines Verfahrensfehlers zustande
gekommen. Nach spanischem Recht darf kein Angeklagter zweimal für die
selbe Tat bestraft werden, sofern das erste Urteil rechtskräftig ist.
Dies sei jedoch nicht der Fall, da Osman in Italien noch Berufung
einlegen könne. Der Oberste Gerichtshof in Madrid wies diesen Einwand
zurück.
Freispruch und Aufhebung.
Außerdem wurden zwei in erster Instanz wegen Zugehörigkeit zu
einer terroristischen Vereinigung zu zwölf Jahren Haft verurteilte
Männer vom Obersten Gerichtshof ebenso freigesprochen wie zwei
weitere Männer, die wegen Komplizenschaft zu fünf und neun Jahren
verurteilt worden waren. Auch hob das Gericht das Urteil gegen einen
Spanier auf, der wegen des Transports von Sprengstoff zu vier Jahren
Haft verurteilt worden war.
Features
Anschläge von Madrid
Die Anschläge auf vier Madrider Pendlerzüge waren die
folgenschwer-
sten auf Ziele im Westen nach den Terroranschlägen vom
11. September 2001. 191 Menschen kamen 2004 ums Leben, mehr als 1.800
wurden verletzt.
40.000 Jahre Gefängnis
In erster Instanz waren im Oktober in einem Mammut-Prozess insgesamt 21 der 28 Angeklagten verurteilt worden, drei von ihnen zu Höchststrafen. Gegen zwei Marokkaner und einen Spanier verhängte der Richter jeweils Strafen von rund 40.000 Jahren Gefängnis.













