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Zuletzt aktualisiert: 09.07.2008 um 12:21 UhrKommentare

Uranunfall: tausendfache Konzentration der Strahlung

Französische Experten warnen vor stärkerer Belastung als angenommen, Sicherheitsbehörden wiegeln hingegen ab.

Aus einem undichten Tank trat radioaktive Flüssigkeit aus

Foto © APAAus einem undichten Tank trat radioaktive Flüssigkeit aus

Widersprüchlich gestaltete sich am Mittwoch die Diskussion nach dem Austritt von 30 Kubikmetern Uranlösung in der südfranzösischen Atomanlage Tricastin vom Vortag. Während die französische Strahlenschutzbehörde ASN abwiegelte, warnte die französische Kommission für Unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität (CRIIRAD). In der Abteilung Strahlenschutz des österreichischen Umweltministeriums wurde betont, dass es sich offenbar nur um eine sehr lokal begrenzte Kontamination handle.

Gewartet. Der Unfall hatte sich Dienstag früh um 6.30 Uhr in einem Werk zur Behandlung von Atomabfällen bei Avignon ereignet. Die Behörden hatten aber bis zum Abend mit der Bekanntgabe gewartet. Aus einem undichten Tank war radioaktive Flüssigkeit mit 360 Kilogramm Uran ausgetreten. Ein Teil gelangte in die kleinen Flüsse Gaffiere und Lauzon, hieß es in der Mitteilung der französischen Atomschutzbehörde.

Tausendfache Konzentration. "Die Konzentration des gemessenen Urans (Strahlung, Anm.) in der Gaffiere lag etwa beim Tausendfachen der natürlichen Hintergrundstrahlung", meldete die Behörde. Aus Vorsichtsgründen wurden die Wasserentnahme aus den betroffenen Flüsschen und das Fischen verboten. "Im Falle des Konsums von Fischen sind die gesundheitlichen Konsequenzen sehr gering", hieß es weiter.

Keine Meldepflicht. "Das ist offenbar ein sehr lokales Ereignis. Wenn es natürliches Uran ist, ist das Ganze zu vernachlässigen", sagte Mittwochvormittag Dr. Peter Hofer von der Abteilung Strahlenschutz im Umweltministerium in Wien. Genau davon war zuvor auch in einer Agenturmeldung die Rede gewesen, nicht von etwaigem höher angereicherten Uran. Auf der Homepage der Internationalen Atomenergieagentur (IAEO) in Wien war jedenfalls Mittwoch am späten Vormittag nichts zu lesen. Da auf der von null bis sieben reichenden internationalen Skala (INES) mit null oder eins bewertete Ereignisse international keiner Meldepflicht unterliegen (Hofer), deutet das auf eine geringe Relevanz hin.

Experten warnen. Allerdings, laut manchen französischen Experten wurde die Umwelt stärker mit Strahlung belastet als von den französischen Behörden zunächst eingeräumt. Man könne davon ausgehen, dass die Strahlung 100 Mal höher sei als die für das Gesamtjahr zulässige Obergrenze, erklärte die französische Kommission für Unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität (CRIIRAD) am Mittwoch.


Fakten

Die Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen am Mittwoch zunächst aufrechterhalten. In drei Gemeinden blieb die Nutzung von Brunnenwasser untersagt, auch Angeln und Wassersport auf drei Neben-
flüssen der Rhône und drei Seen war weiter verboten.

Foto

Foto © APA

Schwimmen verboten: Sicherheitsvorkehrungen in drei GemeindenFoto © APA

Fakten

Der französische Atom-
konzern Areva erklärte, der Austritt der radioaktiven Flüssigkeit habe keinerlei Folgen für das Personal oder die Anrainer gehabt. Man habe der französischen Atom-
schutzbehörde (ASN) empfohlen, den Zwischenfall als Stufe 1 (Anomalie) auf der internationalen INES-Skala zu klassifizieren.

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