Mit Cannabis-Zerstäuber oder Kiffkammer gegen das Rauchverbot
Niederländischen Coffee-Shops steht eine neue Zeit bevor.

Foto © APCannabis-Rauchen ist in Holland legal, aber nun kommt es zu Schwierigkeiten wegen des Tabak-Rauchverbotes
Seit mehr als 30 Jahren wabern Schwaden süßen
Cannabis-Rauchs durch die niederländischen Coffee-Shops und zeugen
von der liberalen Drogenpolitik des Landes. Wenn am 1. Juli wie schon
in weiten Teilen Europas auch in den Niederlanden ein Rauchverbot in
Gaststätten in Kraft tritt, dürften die Zeiten des zwanglosen
Lokalkiffens aber vorbei sein. Die Inhaber von Coffee-Shops denken
bereits um: Während einige Raucherräume einrichten, setzen andere auf
neue Konsumformen wie den Cannabis-Zerstäuber.
"Weiche Drogen".
Seit 1976 verkaufen in den Niederlanden speziell genehmigte
Coffee-Shops sogenannte "weiche Drogen" wie Cannabis oder Pilze. Der
Besitz dieser Substanzen ist zwar nicht legal, wird aber von den
Behörden geduldet. Das neue Rauchverbot untersagt auch nicht den
Gebrauch von Haschisch oder Marihuana, sondern gilt allein für den
Tabakkonsum in öffentlichen Räumen. Anders als in den Vereinigten
Staaten wird in Europa Cannabis allerdings nicht pur geraucht,
sondern zumeist mit Tabak vermischt.
Zerstäuber.
Coffee-Shop-Betreiber Max, dem das "Any Day" in Amsterdam gehört,
setzt voll auf den Zerstäuber. Das Gerät, das in einer ähnlichen Form
bereits in der Medizin zum Einsatz gekommen ist, funktioniert wie
eine Wasserpfeife ohne Tabak und ohne Papier. Beim Zerstäuber
verwandelt sich das Marihuana durch Druck in Rauch - der von den
Rauschwilligen dann eingeatmet wird. Der Erfinder der Apparatur,
Evert, rühmt sich, dass der Zerstäuber "das Bewusstsein der
Konsumenten erweitert, ohne diese apathisch zu machen".
Seperater Raucherraum.
Neben Cannabis aus der Sprühflasche entscheiden sich viele
Betreiber von Coffee-Shops für eine separaten Raucherraum. Im
"Cremers" in Den Haag steht der Bau einer abgeschlossenen Kiffkammer
ganz oben auf der Agenda. Bereits jetzt befindet sich die
Verkaufsstelle in einem eigenen Raum. Andere wiederum wollen
Haschisch und Marihuana künftig nur noch verkaufen und den
Cannabis-Konsum in ihren Räumlichkeiten nicht mehr erlauben. So hat
das "Boerejongens" in einem Amsterdamer Vorort sein Lokal kurzerhand
in einen Teesalon umgewandelt. Die große Mehrzahl der Kunden komme
ohnehin nur, um das "Gras" zu kaufen und rauche dann woanders, sagt
Inhaber Martial van Bennekom.
Risken durch Ende?
Die Soziologin Nicole Maalste glaubt, dass das mögliche Ende des
Cannabis-Konsums in der Öffentlichkeit auch Risiken mit sich bringt.
"In den Coffee-Shops lernen Anfänger das Kiffen von denen, die schon
Erfahrung haben", sagte sie. Außerdem könnten dort Sozialarbeiter
einfacher mit Konsumenten in Kontakt treten, die zu viel Drogen zu
sich nähmen. Coffee-Shop-Betreiber Max befürchtet, dass gerade junge
Menschen sich Cannabis künftig auf der Straße besorgen, bei Dealern,
die ihnen gleich "harte Drogen" mitanbieten würden.
Gelassenheit.
Die Konsumenten selbst sehen das künftige Rauchverbot gelassen.
"Uns doch egal. Dann gehen wir halt nach Hause, um zu rauchen", sagt
Jorgen Ran. Allerdings bleibt die Frage, wie viel dieser
Gleichgültigkeit dem bereits genossenen Cannabis zuzuschreiben ist.
Features
Coffee Shop
Ein Coffee Shop ist eine geduldete Verkaufsstelle von sogenannten "weichen Drogen" in den Niederlanden. Dabei tritt der Betreiber des Coffeeshop als Dealer, also als Verkäufer auf.
Foto

Vor dem Coffee Shop...Foto © APA
Foto

...und darinFoto © Reuters










