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    Zuletzt aktualisiert: 01.07.2008 um 05:01 UhrKommentare

    Der Konzern, in dem kein Geld fließt

    Ehrenamtliche Hilfe im Sozialbereich ist unverzichtbar für die Gesellschaft. Schon 1,3 Millionen Menschen engagieren sich - und leisten so viel Arbeit wie ein Großkonzern.

    Foto © AP

    Mittwochs um 15 Uhr sitzt Erna K. geschneuzt und gekampelt in ihrem Zimmer. Wenn sich die Türe öffnet und Eugenia Platzer den Raum betritt, dann beginnt für Frau K. der Höhepunkt ihrer Woche: Sie kann zum Billa einkaufen gehen.

    Unabhängigkeit. Ohne Hilfe könnte die gehbehinderte 85-Jährige dieses verbliebene Stückchen Unabhängigkeit nicht aufrecht erhalten. Doch die eigene Familie ist in alle Winde zerstreut, die Freunde sind zum Großteil verstorben. Frau K. wäre alleine - gäbe es nicht den Verein "Bunte Blätter", der ehrenamtlichen Besuchsdienst in Altenheimen und Spitälern versieht. Durch Gespräche, Ausflüge und Animation versuchen die meist weiblichen Helferinnen, den alten Patienten das Leben zu erleichtern und Mobilität sowie geistige Regsamkeit zu erhalten.

    Tägliche Sensation. Das scheinbar Unspektakuläre dieser Hilfe ist in Wahrheit eine tägliche Sensation. In der Gesellschaft der Alten und massenhaft Demenzkranken, auf die wir uns absehbar zubewegen, wird es ohne freiwilliges Engagement nicht gehen. Das Ehrenamt wird zum Kitt einer Gesellschaft, die immer stärker in Reich und Arm zerfällt und ihr Sozialnetz nicht mehr umfassend finanzieren kann.

    Hilfe zum Nulltarif. Umfragen zufolge leisten in Österreich bereits mehr als 1,3 Millionen Menschen ehrenamtliche Hilfe im Sozialbereich. Neuere Daten besagen, dass 152.000 Ehrenamtliche in Vereinen organisiert sind und dort ein Arbeitsvolumen leisten, das 18.949 Vollzeitbeschäftigten entspricht. Die Hilfe zum Nulltarif ist also längst vergleichbar mit einem Großkonzern.

    Zulauf an Helfern. Daten für unser Bundesland gibt es nicht. "Wir erleben derzeit einen starken Zulauf an Helfern, aber die Steiermark hat noch viel aufzuholen", fasst Gerd Hartinger zusammen. Er leitet in Graz die Geriatrischen Gesundheitszentren (GGZ), wo die Arbeit vieler steirischer Sozialvereine zusammenläuft.

    Fragiles Fundament. Die Bandbreite der Vereine ist inzwischen beachtlich und reicht von der Behindertenbetreuung bei Alpha Nova über den Hospizverein Steiermark bis zur Initiative für Menschen im Wachkoma. Das Fundament ist oft fragil. Der Wachkoma-Verein war beispielsweise vor eineinhalb Jahren völlig am Ende und bestand nur noch aus drei Personen. Im letzten Moment wurde die Auflösung vereitelt. Zum Glück: Heute gedeiht diese Initiative wie noch nie. Jüngst wurden sogar 20 bezahlte Betreuungsplätze für steirische Wachkomapatienten eingerichtet.

    Internet-Surfen beibringen. Lustig geht es jeden Montag im "SeniorNettCafe" zu, das ebenfalls im GGZ beheimatet ist: Seniorentrainerin Angelika Moser bringt dort hochbetagten Menschen das Surfen im Internet bei. "Viele haben zum ersten Mal eine Maus in der Hand", erzählt sie. Einerseits seien Senioren enorm wissbegierig, andererseits würden sie mit ihren Problemen allein gelassen. Moser: "Den Providern sind die Senioren nur lästig. Sie laden keine Musikvideos herunter, haben fast kein Download-Volumen und sind als Kunden unattraktiv." Diese Lücke könne man nur ehrenamtlich schließen. Moser hat die Idee dazu gehabt, als sie über das Internet eine 93jährige Dame kennen lernte.

    Persönliche Betroffenheit ist oft auch das Motiv für die Arbeit im Hospizverein. Gerhild Hirzberger leitet dort eine Plattform für Eltern totgeborener Kinder. Was ihr die Arbeit als Lohn einträgt? "Man bekommt viel zurück - allein durch das Zuhören, die Gespräche und das Gefühl, Menschen zu unterstützen", sagt sie.

    Nicht jeder wird genommen. Die Sozialvereine investieren viel in Weiterbildung und suchen stets Mitarbeiter. Genommen wird freilich nicht jeder. Eugenia Platzer: "Manchmal wollen psychisch Kranke bei uns mitarbeiten, um von ihren Problemen abzulenken. Die müssen wir ablehnen." Alle im GGZ vertretenen Vereine laden morgen, Mittwoch, ab 14 Uhr in die Grazer Albert-Schweitzer-Gasse zum Sommerfest. Wer sich engagieren will, aber noch einen passenden Verein dafür sucht, ist willkommen.


    Bunte Vielfalt

    Auszug aus der Bandbreite der Sozialvereine: Alpha Nova (Behindertenbetreuung), Bunte Blätter (Besuchsdienst), Hospizverein Steiermark, Tiere als Therapie, Selbsthilfe-kontaktstelle, Rote Nasen, Senior Nett Cafe

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