Maori in Neuseeland feiern historische Entschädigung
Einigung zwischen Staat und Ureinwohnern über 200 Mio. Euro - Stammeskollektiv wird größter privater Waldeigentümer des Landes.

Foto © APAMaori in Neuseeland feiern historische Entschädigung
Die neuseeländische Regierung übereignet sieben Maori-Stämmen als Wiedergutmachung für die Enteignung von Ländereien riesige Waldgebiete. Ein entsprechendes Übereinkommen wurde am Mittwoch von der Regierung und Stammesführern unterzeichnet. Die Abmachung in Höhe von rund 430 Millionen Neuseeland-Dollar (209 Mio. Euro) ist das bisher größte Entschädigungspaket für die Ureinwohner Neuseelands. Hunderte Vertreter des indigenen Volkes waren in die Hauptstadt Wellington gereist, um der Unterzeichnung der Verträge beizuwohnen. Danach feierten sie ausgelassen. Maori in traditioneller Kleidung skandierten und sangen lautstark.
Fakten
Die Maori stammen ursprünglich aus Polynesien. Ihre Vorfahren besiedelten im 13. Jahrhundert das Land in mehreren Wellen. Sie machen heute 15 Prozent der 4,2 Millionen Einwohner Neuseelands aus.
Entschädigung.
Ein Kollektiv aus sieben Stämmen mit mehr als 100.000 Mitgliedern
erhält nun 176.000 Hektar Fläche von neun Wäldern im Wert von mehr
als 195 Mio. Neuseeland-Dollar. Das Gebiet auf der Nordinsel besteht
vor allem aus kommerziell betriebenen Kiefernplantagen. Außerdem
umfasst das Entschädigungspaket 223 Mio. Dollar aufgelaufene
Pachtgelder sowie jährliche Pachtzahlungen von rund 13 Mio. Dollar.
Kulturell bedeutend.
Die Kollektive werde nun zum größten privaten Waldeigentümer
Neuseelands, sagte Sprecher Tamati Kruger. "Wir werden wichtige
Investoren im Waldsektor, und das zurückgegebene Land ist kulturell
bedeutend für uns", fügte er hinzu. Einer der Stammesführer betonte
die soziale, wirtschaftliche und ökologische Bedeutung der Abmachung.
"Mit der Unterzeichnung dieser Einigung heute haben wir auch unsere
Absicht signalisiert, ein positiver und untrennbarer Teil der
neuseeländischen Gesellschaft zu sein", sagte Tumu Te Heu Heu des
Ngati Tuwharetoa Stammes.
Tragödie.
"Es ist eine Tragödie unserer Geschichte, dass die (britische)
Krone in den eineinhalb Jahrhunderten seit der Unterzeichnung
Versprechungen auf vielerlei Art nicht eingehalten hat", sagte der
stellvertretende Regierungschef Michael Cullen. Mit der Übereignung
der Wälder würde ein Vermögen von fast einer halben Milliarden Dollar
endlich den Interessen der lokalen Maori dienen.
Ressourcen.
Die Einigung ist Teil eines Prozesses, mit dem die Maori für den
Raub von Land und anderen Ressourcen entschädigt werden sollen. In
dem 1840 unterzeichneten Vertrag von Waitangi hatte die damalige
britische Kolonialmacht den Maori versprochen, sie dürften ihr Land
und ihre Schätze behalten. Dies wurde aber nicht eingehalten; mit der
Ankunft britischer Siedler Mitte des 19. Jahrhunderts wurde den Maori
ein Großteil ihres Landes weggenommen. In den 1990er Jahren wurden
drei große Entschädigungsabkommen geschlossen, die jeweils 170 Mio.
Neuseeland-Dollar wert waren.
Features
Fakten
In der neuseeländischen Gesellschaft sind sie jene mit der geringsten Lebenserwartung, auch ihre Einkommen sowie Beschäftigungsrate und Bildungsabschlüsse sind im Vergleich die niedrigsten.











