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Zuletzt aktualisiert: 22.06.2008 um 05:10 UhrKommentare

Wildwechsel auf Wiese: Rehlein geriet in Mäher

In Osttirol lag ein Kitzbock wimmernd im Gras. Tierärztin rettete dem Rehlein in einer Notoperation das Leben. Bauern peppeln das Tier auf.

Bei der Visite: HelferinSonja Krüger und die Lienzer Veterinärin Christine Weber

Foto © HatzBei der Visite: HelferinSonja Krüger und die Lienzer Veterinärin Christine Weber

Der Star auf der Kärntner Straße in Lienz war gestern Mittag ein drei Wochen altes Rehlein. Pflegemutter Rosmarie Egartner aus dem Bergdorf Glanz (Gemeinde Oberlienz) trug das zarte Tier am Arm und wartete geduldig auf die Tierärztin Christine Weber. Denn der kleine Kitzbock hatte eine schlimme Begegnung hinter sich.

Blutendes Knie. "Mein Sohn Robert hat am Donnerstag gegen Abend unsere steile Bergwiese gemäht, da machte er eine traurige Entdeckung", schildert Egartner den Vorfall. Im frisch gemähten Gras lag ein kleines, wimmerndes Kitz, am linken Knie blutete das Tier stark. Sofort packte der junge Bauer das schwer verletzte Wildtier ein und brachte es zum Hof. Anschließend fuhren die Bergbauern ins Tal zur Tierarztpraxis in Lienz.

Zweistündige Operation. "Das vordere Handgelenk war offen, zwei Sehnen durchtrennt", sagte Weber. Unter Narkose wurden die schweren Verletzungen des Bambis in einer zweistündigen Notoperation genäht. Tierärztin Weber war Samstag aber schon wieder zuversichtlich: "Der Kitzbock hat gleich wieder angefangen zu trinken, das ist ein gutes Zeichen." In einer Woche muss der Patient zur Kontrolle bei der Veterinärin.

Frische Ziegenmilch. Die Bäuerin zieht das tierische "Findelkind" mit frischer Ziegenmilch auf. "Wenn es zu keinen Komplikationen mehr kommt, dürfte der Kitzbock in acht bis zehn Tagen wieder gesund am Bergbauernhof herumtollen", ist sich die Tierärztin sicher. Im Herbst wird er wahrscheinlich die "Ziehfamilie" verlassen und zu Artgenossen in den Wald verschwinden. "Normalerweise", erklärt Tierarzt Anton Bergmann aus Lienz, "überleben Wildtiere solche Unfälle in der heutigen Zeit nicht mehr." Früher seien steile Wiesen mit der Sense gemäht worden, heute dienen dazu moderne Mäher. Bergmann: "Da hat ein Kitz keine Chance mehr."

GÜNTHER HATZ

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Foto © Hatz

Erst frisch operiert und schon wieder auf der Wiese unterwegs: der drei Wochen alte Kitzbock nach der VisiteFoto © Hatz

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