Keine Haftstrafe für Arzt, der Gattin mit Pkw totfuhr
Betrunkener Mediziner überfuhr seine Ehefrau nach deren Geburtstagsfeier. Die Frau lag auf der Straße. Er hatte sie übersehen. 9000 Geldstrafe und sieben Monate bedingte Haft.
Viel konnte die Nachbarin nicht erkennen, als sie hinunter auf die neblige Straße blickte. Aber sie hörte etwas. "Da war so ein Schreien, so ein verzweifeltes, furchtbares, schreien", sagt sie. Und langsam nahm sie die Umrisse eines Mannes wahr. "Er kniete auf der Straße und weinte laut." Seine Gattin lag neben ihm - leblos. Er hatte sie mit dem Auto überfahren. Nun sitzt dieser Mann, ein 41-jähriger Kärntner Arzt, auf der Anklagebank. Ganz leise ist er heute: Die Emotionen von damals scheinen abgestorben zu sein. Beinahe flüsternd gesteht er: "Ich habe mich alkoholisiert ins Auto gesetzt. Das war fahrlässig." In der Nacht auf 25. Oktober haben sich der Angeklagte, seine Ehefrau und mehrere Freunde in einem Gasthaus bei St. Veit/Glan getroffen. Nur wenige hundert Meter vom Wohnhaus des Paares entfernt wurde gefeiert: der Geburtstag der Frau, die noch in dieser Nacht sterben sollte.
Frisch verheiratet. Erst ein Jahr zuvor hatten die Krankenschwester und der Arzt geheiratet. Sie brachte zwei Kinder in die Ehe mit. "Meine Mutter war so glücklich", sagt der erwachsene Sohn.
Erinnerung. "Die Geburtstagsfeier war sehr lustig", bestätigen alle Zeugen übereinstimmend. "Ich trank zwei große Bier und drei kleine", erinnert sich der Arzt und wirkt dabei so teilnahmslos, wie es nur gebrochene Menschen tun.
Überrollt. Um das Haus vorzuheizen, setzte er sich mit 1,2 Promille ins Auto und fuhr früher aus dem Gasthaus heim. Seine Frau wollte nachkommen. Die paar Schritte zu Fuß gehen, wie es so schön heißt. Doch die 43-Jährige kam nicht. Da fuhr ihr der Arzt entgegen. Er setzte sich wieder ins Auto und suchte seine Gattin. Stockdunkel war es, es regnete. Der Arzt konzentrierte sich auf den Straßenrand. Dort, dachte er, würde seine Frau gehen. Doch die Betroffene lag auf der Straße. Er sah das nicht, sah seine Frau nicht und überrollte sie mit dem Pkw. "Er ist Opfer und Täter zugleich", findet Richter Oliver Kriz. Der Vater und die Schwester der Verunglückten sind anwesend. Das neue Opferrecht ermöglicht ihnen, direkt im Prozess Fragen zu stellen. Staatsanwältin Denise Ebner erklärt behutsam: "Mehrere Gutachten bestätigen, dass die Frau auf der Straße gelegen ist." Sie hatte Alkohol getrunken - und muss beim Gehen gestürzt. Der Witwer wird zu 9000 Euro Strafe und sieben Monate bedingter Haft verurteilt (nicht rechtskräftig).
Ausnahme. Normalerweise müssen Alkolenker nach einem Tötungdelikt ins Gefängnis. Doch in diesem Fall macht der Richter eine Ausnahme. Die Schwester der Verstorbenen bricht in Tränen aus. Der Arzt nimmt das Urteil an. Und zeigt keine Reaktion.











