Erdbeben in Japan: Radioaktives Wasser ausgetreten
Sechs Tote und 140 Verletzte forderte ein Beben im Nordosten von Japan. Zudem trat radioaktives Wasser bei einem hiesigen AKW aus.

Foto © AP
Ein Erdbeben der Stärke 7,2 im Norden Japans hat am
Samstag mindestens sechs Menschen das Leben gekostet. Mindestens 140
weitere wurden verletzt, wie die Behörden mitteilten. Zehn Bewohner
der Region werden noch vermisst. Erdrutsche blockierten Landstraßen,
was die Rettungsarbeiten erschwerte. Der Fernsehsender HNK zeigte
Aufnahmen einer eingestürzten Brücke.
Rettungseinsatz.
Ministerpräsident Yasuo Fukida erklärte, die Regierung mobilisiere
Soldaten, die Polizei und weitere Einsatzkräfte, um die Vermissten zu
finden und Verletzte zu behandeln. Das Verteidigungsministerium
entsandte ein Dutzend Hubschrauber, Flugzeuge und 760 Soldaten in die
Region. Die Streitkräfte flogen Hilfsgüter in das betroffene Gebiet
und brachten Verletzte in Krankenhäuser.
AKW betroffen.
In einem Atomkraftwerk spritzten 20 Liter Wasser aus zwei Becken,
in denen verbrauchte Brennstäbe lagern, wie Kabinettsekretär Nobutaka
Machimura erklärte. Das Wasser sei jedoch nicht in die Umwelt
gelangt. Zwei Atomkraftwerke mit insgesamt zehn Reaktoren würden
inspiziert, es seien zunächst keine Schäden festgestellt worden,
sagte Machimura weiter. Die Stromversorger Tohuku Electric Power und
Tokyo Electric Power teilten mit, die Atomkraftwerke Onagawa und
Fukushima arbeiteten normal. Im Erdbebengebiet waren dennoch 29.000
Haushalte ohne Strom.
Nachbeben.
Die Erdbebenwarte in Tokio registrierte den ersten Erdstoß um 8.43
Uhr Ortszeit (1.43 Uhr MESZ) in der Präfektur Iwate. Augenzeugen
sagten, die Erde habe in der ländlichen Gegend 30 Sekunden lang
gebebt. Danach gab es mehr als 150 Nachbeben. Nach Erdrutschen saßen
100 Badegäste in einem Thermalbad fest, wie die Behörden erklärten.
Tote.
Bei den Toten handelte es sich nach Angaben Machimuras um einen
Mann, der in Panik aus einem schwankenden Haus lief und von einem
Lastwagen überfahren wurde. Zwei Männer wurden bei verschiedenen
Erdrutschen verschüttet, und ein Bauarbeiter kam ums Leben, als er
von einem herabfallenden Stein getroffen wurde.
Epizentrum.
Ein Behördensprecher in einer der am härtesten getroffenen Städte,
Kurihara, sagte, eine genaue Schadensfeststellung sei wegen
zerstörter Straßen nur schwer möglich. Abgelegene Dörfer seien noch
nicht erreicht worden. Iwate liegt rund 450 Kilometer nördlich von
Tokio. Das Beben war auch in der Hauptstadt zu spüren. Das Epizentrum
lag in etwa acht Kilometern Tiefe. "Es hat so heftig gebebt, dass ich
nicht stillstehen konnte. Ich musste mich an die Wand lehnen", sagte
Masanori Oikawa, ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Oshu.
Gefährdet.
Japan ist eine der weltweit am meisten erdbebengefährdeten
Regionen. Im vergangenen Juli kamen bei einem Erdbeben der Stärke 6,8
in derselben Region elf Menschen ums Leben. Das Epizentrum lag vor
einem Jahr in Niigata, etwas südwestlich von dem des Bebens am
Samstag. Damals wurde auch ein Atomreaktor beschädigt. 1995 kamen bei
einem Erdbeben in Kobe 6.400 Menschen ums Leben.
Features
Fakten
14,8 Liter
Wasser seien aus einem Becken ausgetreten, in dem radioaktive Geräte
gelagert wurden.
"Die Strahlung des Wasser liegt weit unter dem Level, das
möglicherweise die Umwelt in Mitleidenschaft ziehen könnte", sagte
ein Sprecher des Werkes. Das Atomkraftwerk laufe weiter.












