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Zuletzt aktualisiert: 11.06.2008 um 19:53 UhrKommentare

Brot für den Müll

Jedes fünfte Stück Brot landet in Österreich auf dem Müll. Die Bäcker machen den Handel verantwortlich, Abfallexperten mahnen zu vernünftigerem Einkaufen.

Foto © AP

Die Situation mutet paradox an: Während in Österreich und dem Rest der Welt seit Monaten über die gestiegenen Lebensmittelpreise diskutiert wird, landen hierzulande täglich Tonnen von Brot auf dem Müll. Im Schnitt wird jedes fünfte (!) Stück Gebäck so, wie es aus dem Ofen gekommen ist, weggeworfen. Die Vertreter der Bäckereien machen dafür zu einem guten Teil den Handel verantwortlich, der den Zulieferern in manchen Fällen bis zu 25 Prozent ihrer Backwaren zurückschickt. Der Grund: Die Kunden erwarten sich auch kurz vor Landenschluss noch volle Brot-Regale, verkauft wird freilich nur noch ein Bruchteil des Angebots.

Kosten für die Bäcker. Den Bäckereien bleibe keine andere Wahl, als die zurückgeschickte Ware als Biomüll zu entsorgen, ärgert sich der Grazer Bäckermeister Martin Auer. "Das ist ein unerträglicher Zustand. Wir wollen und können diese Situation nicht länger vertreten." Denn neben den ethischen Aspekten dieser Praxis bleiben die Bäcker auch auf den Kosten sitzen. Das Brot wird vom Handel nämlich auf Kommissionsbasis bestellt. "Geordert wird viel mehr, als wirklich verkauft werden kann. Den Rest bekommen wir unbezahlt zurück. Damit sitzen wir dann auch noch auf den Kosten für die Entsorgung der Ware", so Auer.

Zehn Prozent realistisch. Das immer breitere Sortiment und die wachsende Zahl an Verkaufsstellen verschärfen die Lage zusätzlich. Beim Handel verweist man auf die Kunden, deren Wünschen man sich nicht entziehen könne. Dass tatsächlich so viel Brot, wie von den Bäckern behauptet, unverkauft zurückgeht, glaubt Nicole Berkmann, Sprecherin von Spar Österreich, nicht. Sie hält "einen Wert von zehn Prozent" für realistisch.

15 Prozent landet im privaten Müll. Doch nicht nur im Handel bleibt das Brot liegen. Laut Berechnungen der Wiener Universität für Bodenkultur (Boku) werden nur 85 Prozent des gekauften Brots auch gegessen. Der Rest landet in den privaten Mülltonnen. Unterm Strich bauen Österreichs Landwirte jedes Jahr rund 20.000 Hektar Getreide an, das letztlich als Abfall endet, rechnet Peter Lechner, Leiter des Instituts für Abfallwirtschaft an der Boku, vor. "Für diese Anbaufläche gehen etwa 75.000 Tonnen CO2 in die Luft. Das ist etwa so viel, wie 31.000 Pkw jedes Jahr ausstoßen", so Lechner.

Spanne wird kleiner. Dass die Überproduktion der Bäckereien auch den Brotpreis nach oben treibt, bestreitet Auer. "Der Handel würde höhere Preise von uns nicht akzeptieren. Es wird nur die Spanne der Bäcker kleiner." Eine Ansicht, der sich nicht alle Kollegen anschließen. "Es gibt Bäcker, die sagen, man hätte die jüngste Preissteigerung gänzlich abfangen können, wenn man das Altbrot nur um die Hälfte reduziert hätte", so Lechner.


Brot in Zahlen

In Österreich werden nach Schätzungen jährlich 68 Kilogramm Brot pro Kopf hergestellt.

56 Kilogramm davon werden im Handel auch gekauft.

48 Kilogramm werden letztendlich von Konsumenten verzehrt.

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