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Zuletzt aktualisiert: 31.05.2008 um 20:08 UhrKommentare

"Ich will das Beste, nicht das Billigste"

Der Alltag des Landarztes Wolfgang Hofmeister aus Patergassen: Die strittige Gesundheitsreform verursacht ihm und seinen Patienten jetzt schon Bauchweh. Ein Lokalaugenschein.

Gegenseitiges Vertrauen fördert den Heilungserfolg

Foto © fepressGegenseitiges Vertrauen fördert den Heilungserfolg

Erst 7.30 am Morgen und schon ein volles Wartezimmer. Eine Stunde später kommt man fast nicht mehr durch die Tür. Blutabnahmetag beim Landarzt in Vorwald bei Patergassen. Assistentinnen und Doktor arbeiten mit Hochdruck. Zwei Kinder mit Fieber kommen zuerst dran, der Mann mit der Platzwunde wird auch vorgereiht, die Frau mit dem Spieß im Finger muss warten. Eine von der Turrach kommende Mutter braucht eine Arznei für ihr Kind und ist heilfroh, dass der Arzt eine Hausapotheke hat, sonst müsste sie noch weiter fahren.

Die älteren Herrschaften ratschen mit der "Frau Doktor" und fragen immer wieder: "Werdet Ihr auch streiken?" Die Flugblätter der Ärztekammer mit der Warnung, dass die Patienten bald keinen Hausarzt mehr haben würden, verunsichern. "Ihr könnt uns doch nicht im Stich lassen", hört Birgit Hofmeister jeden Tag. "Protestaktionen befürworte ich, als Haus- und Notarzt kann ich aber nicht streiken", sagt Allgemeinmediziner Wolfgang Hofmeister in einer Verschnaufpause zwischen dem Angestellten mit Zucker und der Bäuerin mit Rheuma. "Schauen Sie sich meinen Zeitplan an. Jeden Nachmittag Hausbesuche und jeden dritten Tag 24-Stunden-Bereitschaftdienst".

Als Unfallchirurg versorgt Hofmeister in seiner Ordination auch Waldarbeiter, die von der Säge und Lehrlinge, die vom Küchenmesser verletzt wurden und im Winter die Kreuzbandrisse und Unterschenkelbrüche. "Dadurch wird viel Geld gespart, weil die teure Behandlung im Krankenhaus entfällt". Um zwölf Uhr wäre Ordinationsschluss, doch um 13 Uhr sind immer noch Patienten da. "Jeder, der bei mir hinausgeht, soll eine Antwort auf seine Fragen bekommen haben", erklärt Hofmeister, warum er sich soviel Zeit wie möglich nimmt. "Längere Gespräche sind notwendig, um die richtige Diagnose zu stellen und den Patienten zum richtigen Spezialisten weiter schicken zu können. Sie sind Teil der Gate-Keeper-Funktion des Hausarztes, durch die viel Geld eingespart werden kann". Viele Patienten suchen den Arzt mehrmals im Quartal auf. "Durchschnittlich ab dem dritten Kontakt honoriert die Kasse aber nichts mehr. Die meisten Verbandswechsel bei Unterschenkelgeschwüren mache ich gratis".

Ökonomisierung. Als die Ordinationstür um 13.30 zugeht, hat der Computer insgesamt 113 Patientenkontakte gezählt. Nach kurzer Mittagspause widmet sich Hofmeister Arztbriefen, Befunden und der "Ökonomieliste", der Ökonomisierung der Medikamentenverschreibung. "In den letzten zehn Jahren hat die Bürokratie ständig zugenommen", verweist er auf die Medikamentenregelung. So gibt es eine grüne Box mit Medikamenten, die er frei verschreiben darf und eine gelbe Box für Medikamente, die bei der Kasse angefragt werden müssen. Auch die günstigen Generica sind wegen der unterschiedlichen Zusatzstoffe oft problematisch. "Eine Bäuerin vertrug das neue Blutdruckmittel nicht. Da habe ich festgestellt, dass es Lactose enthielt und die Bäuerin eine Lactose-Allergie hat."

Den Zwang zur Wirtschaftlichkeit und den Verlust der Individualmedizin fürchtet Hofmeister am meisten an der geplanten Gesundheitsreform. "Wie soll die medizinische Qualität gesichert sein, wenn ich nur nach ökonomischen Richtlinien handeln darf? Ich will doch das Beste für den Patienten, nicht das Billigste." Alle fünf Jahre soll in Zukunft die Einhaltung der Richtlinien kontrolliert werden, sonst wird der Kassenvertrag gekündigt. "Die Möglichkeit des Zuhörens und des eigenverantwortlichen ärztlichen Handelns wäre nicht mehr gegeben". Junge Ärzte würden sich auf Grund der Zurückhaltung der Banken bei befristeten Verträgen keine Praxis mehr leisten können, befürchtet Hofmeister weiter. Das Ergebnis wäre eine Zwei-Klassen-Medizin, wo nur der, der privat bezahlt, gute Behandlung erhält.

Visiten. Nun ist es Zeit für die Visiten. Nach sieben Patienten ist es 19 Uhr, der Besuch einer Krebspatientin stünde noch auf dem Programm. Doch in der Ordination wartet ein kleiner Schafblattern-Patient. Den letzten Hausbesuch macht Hofmeister, der sich wegen der Vielfältigkeit und Ganzheitlichkeit bewusst für den Beruf des Landarztes entschieden hat, um 21 Uhr. Seine Arbeitswoche hat 70 Stunden, die nächtlichen Notfälle nicht eingerechnet.

"Verbesserungen überlegen". Fragt man Hofmeister nach Einsparungspotential in der Medizin, nennt er sofort "eine effiziente Vorsorgemedizin und weniger Doppeluntersuchungen." Viele Krankheiten und teure Behandlungen könnten vermieden werden. "Eine Gesundheitsreform kann man nicht ohne Ärzte machen. Alle müssen sich zusammensetzen und gemeinsam Verbesserungen überlegen!"

ELKE FERTSCHEY

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Mit Allrad-Antrieb auf Visite. Bergschuhe, Einsatztasche, Notfalltasche, Notapotheke und Funk hat Wolfgang Hofmeister immer dabeiFoto © fepress

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Über Hofmeisters Hausapotheke freuen sich besonders Patienten, die vom Berg her kommenFoto © fepress

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