Kritik an Medizin-Aufnahmetests: Frauen schneiden schlechter ab
An allen Unis zeigen sich deutliche Gender-Unterschiede, vor allem zwischen österreichischen Männern und Frauen. Das gleiche Bild bietet sich auch bei der Prüfung am Ende des ersten Abschnitts.

Foto © APADeutliche Gender-Unterschiede bei den Medizin-Aufnahmetests
Ein Blick auf die Ergebnisse des seit 2006 verwendeten Eignungstests für das Medizinstudium (EMS) zeigt deutliche Differenzen zwischen Frauen und Männern. Allerdings sind diese zwischen österreichischen Männern und Frauen mit 4,9 Punkten doppelt so groß wie zwischen deutschen Männern und Frauen mit 2,5 Punkten.
Ergebnisse wie 2006.
Insgesamt haben öster-
reichische Bewerber 2007 im Mittel 98,6
Punkte erreicht, deutsche 103,1 Punkte. Deutsche Frauen erzielten im
Mittel 102,0 Punkte, die Männer 104,5 Punkte - Österreicherinnen
schnitten im Schnitt mit 96,5 Punkten ab, Österreicher mit 101,4
Punkte. Ein Unterschied von bis zu rund zwei Punkten ist statistisch
nicht relevant, hieß es bei der Präsentation der Ergebnisse im
Vorjahr. Das heißt, dass sich das Ergebnis der deutschen Männer und
Frauen mit einem Unterschied von 2,5 Punkten praktisch nicht
unterscheidet, jenes von österreichischen Männern und Frauen mit 4,9
Punkten sehr wohl. Die Ergebnisse entsprechen in etwa jenen des
Jahres 2006.
Fakten
Im weiteren Verlauf des Studiums - wenn es um den
"Anwendungs-
kontext" anstatt abstrak-
ter Testverfahren geht - gleichen
sich die Leistungen an.
Auswirkung. Das wirkte sich in einer starken Verschiebung des Geschlechter-Verhältnisses aus: In Wien betrug der Frauenanteil unter den angetretenen EMS-Kandidaten 56,6 Prozent, unter den erfolgreichen Bewerbern aber nur mehr 41,5 Prozent. In Innsbruck waren 56,7 Prozent der Kandidaten Frauen, der Frauenanteil unter den erfolgreichen Teilnehmern betrug aber nur mehr 48,8 Prozent. Ähnlich war die Situation in Graz, wo aber nicht der EMS, sondern ein anderes, stärker auf Wissen fokussiertes Testformat verwendet wird: Dort stellten die Frauen 58,4 Prozent der Teilnehmer, aber nur 48,5 Prozent der erfolgreichen Kandidaten.
Wissenstest. Der EMS prüft in einem schriftlichen, rund sechs Stunden dauernden Testverfahren die Eignung für ein medizinisch-naturwissenschaftliches Studium. Dabei werden verschiedene relevante Studien-Fähigkeiten wie medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Umgang mit Zahlen, Einheiten und Formeln, Textverständnis etc. untersucht. In Graz müssen sich die Studienwerber dagegen einem dreistündigen Wissenstest stellen.
Erfolgsquoten. Frauen schneiden an der Medizin-Universität Wien (MUW) nicht nur beim Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) schlechter ab, sondern auch bei der sogenannten summativ-integrativen Prüfung (SIP-1) am Ende des ersten Studienjahrs, die über den Aufstieg in den zweiten Studienabschnitt entscheidet. Bei allen vier für die Studie untersuchten Prüfungszeitpunkten (2003-2006) waren die Erfolgsquoten der Männer höher als jene der Frauen. Für die Studie noch nicht berücksichtigt wurde allerdings die Situation nach Einführung der Vorselektion durch den EMS.
Features
Fakten
Österreichische Bewer-
ber haben 2007 im Mittel
98,6
Punkte erreicht, deutsche 103,1 Punkte. Deutsche Frauen erzielten im
Mittel 102,0 Punkte, die Männer 104,5 Punkte - Österreicherinnen
schnitten im Schnitt mit 96,5 Punkten ab, Österreicher mit 101,4
Punkte.












