60 Jahre Israel - ÖIG-Kärnten: Vom Toten Meer bis zur Kristallnacht
Außerordentliches Programm der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft in Kärnten zum Jahrestag der Staatsgründung
Ein umfangreiches und wohl auch außergewöhnliches Programm hat die Österreichisch-Israelische Gesellschaft in Kärnten unter ihrer Vorsitzenden Ilse Gerhardt rund um den 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels erarbeitet. "Wir wollen den Menschen ein breites Spektrum an Information und Unterhaltung bieten, aber auch der Leiden des jüdischen Volkes gedenken", erläuterte Gerhardt am Mittwoch.
Eröffnung. Eröffnet wird der Veranstaltungsreigen mit der Ausstellung "Dead Sea" mit Fotos vom Toten Meer, die am 15. Mai, dem Stichtag für die Gründung des Staates Israel, um 19.30 Uhr im Villacher Rathaus eröffnet wird und bis zum 28. Mai dauert. Ende Juni kommt einer der anerkanntesten Interpreten jiddischer Lieder, Manfed Lemm, mit seinem Klarinettisten Alfred Patzelt aus dem deutschen Wuppertal nach Kärnten.
Künstler. Lemm, der für seine Kunst den Deutschen Schallplattenpreis erhalten hat, bringt "Klezmer-Musik", jiddische und israelische Lieder sowie Ernstes und Heiteres aus dem Alltag einer versunkenen Welt. Bereits fixiert sind Konzerte in Villach (Paracelsus-Saal, 23. Juni, 19.30 Uhr) und im Casineum Velden (24. Juni, 20.30 Uhr). In Klagenfurt ist für den 21. Juni ein Konzert avisiert.
Klezmer. Klezmer ist ursprünglich die Instrumentalmusik der Juden Osteuropas und eng gebunden an die jüdische Religion und Kultur. Bei vielen Festen, vor allem bei der jüdischen Hochzeit, hatte die Musik eine ordnende Funktion. Das Wort Klezmer leitet sich aus den hebräischen Silben klej (Werkzeug) und semer (Lied) ab und bedeutet eigentlich Instrumentalmusiker. Die ersten Kapellen waren mit zwei Geigen, Zimbal und Cello besetzt, erst später kamen die Klarinette und andere Blasinstrumente hinzu.
Proben. Die Kulturjournalistin Ilse Gerhardt und Roman Pechmann proben derzeit für eine Kärnten-Tournee mit jiddischen Liedern und Geschichten im Sommer. "Vilnius - Jerusalem des Nordens" ist das Ziel einer Reise nach Litauen vom 15. bis 23. zum August. Vilnius oder Wilna war auch Schauplatz des Dramas "Ghetto", das heuer mit großem Erfolg im Stadttheater Klagenfurt gelaufen ist. Im Zuge der Reise wird es zu zahlreichen Kontakten mit jüdischen Menschen und Organisationen kommen, die Exkursion hat der Experte Erich Lindner zusammengestellt. Interessenten können Näheres unter der Telefonnummer 042 24 81048 erfahren.
Kritsallnacht. Der Herbst ist der Kristallnacht und ihren Folgen gewidmet. Bertram Karl Steiner, Kulturchef der "Kärntner Tageszeitung", wird Literatur zum Thema Vertreibung und Untergang lesen, Gerhardt mit Pechmann " Lieder zum Untergang" intonieren. Eine Mahnwache im Klagenfurter Burghof soll an die Kristallnacht erinnern, desgleichen ein Kaddish (Totengebet), gebetet und gesungen von einem Wiener oder Triestiner Rabbiner vor dem jüdischen Friedhof.
Erinnerungsausstellung. Geplant ist auch eine Erinnerungsausstellung an ehemalige jüdische Bürger in Kärnten. Und erstmals soll es Kärntner "Klezmer-Musik" geben: Lemm, Gerhardt und Pechmann werden Konservatoriumsschülern jüdische Klänge nahebringen. Gerhardt: "Die Resultate hört man dann in einem Konzert und hoffentlich auch späterhin."











