2.882 Schüler sind reif für die Prüfung
Maturazeit in Kärnten: AHS- und BHS-Schüler treten ab heute zur Matura an. Eine psychische Belastung nicht nur für "Wackelkandidaten".

Foto © KK/PeutzDieser (Ex-)Schüler hat die Matura bereits geschafft. Wochenlang hat er dafür gelernt und sich auch mental darauf vorbereitet
Welche Prüfungen auch immer das Leben für einen Menschen bereit halten mag, "die Matura ist eine herausragende", weiß Gert Lach, Leiter der Schulpsychologie Kärnten. Die 1.196 AHS-Absolventen und 1.686 BHS-Absolventen können es ihm sicherlich nachfühlen, für die meisten startet in dieser Woche die "Schriftliche".
Albtraum "Matura". Wie viele dann drei bis fünf Wochen später zur mündlichen Matura antreten werden, ist noch nicht bekannt. Als wahrscheinlich gilt aber, dass auch heuer wieder sieben Prozent der AHS-Absolventen und 7,5 Prozent der BHS-Prüflinge mit einem "nicht bestanden" zurechtkommen müssen.
"Initiationsritus". Aber längst nicht nur für die "Wackelkandidaten" stellen die kommenden Wochen eine Belastung dar. "Noch Jahrzehnte später träumen selbst höchst erfolgreiche Persönlichkeiten von ihrer Matura", schildert Lach ein weithin bekanntes Phänomen. Ängstlich oder auch glückselig erwachen viele aus den Matura-Träumen. "Die Reifeprüfung ist ein Initiationsritus und als solches viel mehr als nur eine Überprüfung des reinen Wissens. Sie ist eine Zäsur hin zum Erwachsenenleben. Ein Schritt, der auch gesellschaftlich emotional aufgeladen ist."
Viel Engagement. Verständlich also, dass dabei keiner "versagen" und sich den Stempel "unreif" aufdrücken lassen möchte. Wenig verwunderlich, dass die meisten Maturanten viel Engagement zeigen. "Das ist schon optisch erkennbar. Viele ziehen sich sehr schön an, putzen sich richtiggehend heraus und demonstrieren auch auf diese Weise ihre Reife", erklärt der Psychologe. Über das berühmt-berüchtigte "Maturafieber" können aber weder schicke Kleider noch stylische Frisuren hinweg helfen. "Das zittrige Gefühl hat aber seine positiven Auswirkungen", beruhigt Lach. Ähnlich wie das Lampenfieber vor einem Auftritt spornt es im rechten Moment Geist und Körper zu Höchstleistungen an. "Man muss bedenken, dass die Situation für die Maturanten völlig neu ist und zuvor nicht geübt werden konnte. Sie müssen ihr Wissen beweisen und das vor der gesamten Kommission", schilder Lach.
"Umkehrung". Nicht selten kommt es in dieser fordernden Situation zu einer "Umkehrung". Das heißt, sehr gute Schüler schneiden mitunter schlechter ab, als es ihren bisherigen Leistungen entsprechen würde. Im Gegenzug dazu kommt es auch vor, dass schwache Schüler richtiggehend brillieren. "Sie sind seit langem gewohnt ums ,Überleben' zu kämpfen", so Lach. Dadurch stellen sich diese Prüflinge die Situation nicht idealtypisch vor und werden bei kritischen Nachfragen weniger schnell nervös. Sie sind mental darauf vorbereitet.
"Erfolgsnachweis für Lehrer". All jene, die demnächst zur Prüfung antreten oder noch Jahre später von ihr träumen, könnte Lachs Erfahrung ein Denkanstoß sein: "Auch die Lehrer sind nervös. Letzten Endes ist die Matura ja auch für ihre Arbeit ein Erfolgsnachweis".











