"Heute": "Haben aufgedeckt, was nicht ermittelt wurde"
"Heute"-Chefredakteur Richard Schmitt bezog Stellung zur Veröffentlichung von Kampusch-Akten: "Wir haben uns die Entscheidung, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, nicht leicht gemacht", so Schmitt.
Nach der Aufregung um die Veröffentlichung von
Unterlagen aus dem Akt zum Fall Natascha Kampusch in der
Gratiszeitung "Heute" am Freitag hat Chefredakteur Richard Schmitt im
Gespräch mit der APA Stellung bezogen. "Wir sehen es als unsere
Pflicht, wenn wir Unterlagen von strafrechtlicher Bedeutung
zugespielt bekommen, diese auch zu veröffentlichen. Strafrecht geht
für mich klar vor Medienrecht und Persönlichkeitsschutz", sagte der
Journalist.
"Journalistische Aufgabe"
"Ich sehe es prinzipiell als journalistische Aufgabe, wenn man
Infos bekommt, die die Öffentlichkeit nicht kennt, diese aufzuzeigen.
Wir haben aufgedeckt, was nicht ermittelt worden ist", so Schmitt
weiter. "Hätte man einem Worm vorgeworfen, dass er Lucona aufgedeckt
hat?", fragte er. "Und da waren auch Personen beteiligt."
Kampusch Opfer.
Natascha Kampusch sei Opfer und werde immer Opfer bleiben, "was
mir auch sehr leid tut", betonte Schmitt. "Uns war bewusst, dass das
eine hochsensible Angelegenheit ist. Wir haben es uns auch nicht
leicht gemacht und haben eine Woche lang überlegt. Bei niemand
anderem wären wir wahrscheinlich derart sensibel vorgegangen.
Andererseits muss man sich auch vor Augen halten, dass Kampusch drei
bis vier Interviewserien gemacht hat und bald eine eigene Talkshow
haben wird. Wer sich absichtlich in die Öffentlichkeit stellt, muss
sich auch bewusst sein, dass es ein großes öffentliches Interesse
gibt", sagte der "Heute"-Chefredakteur.
Furcht vor Klagen.
Ob sich "Heute" vor Klagen fürchte? "Geklagt ist schnell, man muss
sie erst einmal gewinnen. Und wir treten gerne den Wahrheitsbeweis
an", sagte Schmitt im Gespräch. "Auch wenn wir verurteilt würden, es
steht Strafrecht über Medienrecht und es gibt eine Verantwortung der
Medien."
Befragung.
Hat "Heute" versucht, Natascha Kampusch zu den heiklen Akten zu
befragen? "Sie müssen Frau Kampusch fragen, warum sie drei
Medienberater vorgeschaltet hat und man jedes Interview mit ihr
kaufen muss", so der Journalist. "Wir haben diese Akten bekommen",
betonte er. "Von Menschen, die an uns herangetreten sind, weil sie in
ihrer Arbeit behindert wurden. Weil ihnen die Sache am Herzen liegt.
Nicht, weil wir danach verlangt haben", erklärte Schmitt.











