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Zuletzt aktualisiert: 05.04.2008 um 19:35 Uhr

Kärntnerin des Tages: Mädchen der ersten Stunde

Ingeborg Müllner stand bei der Eröffnung von Minimundus im Jahr 1959 an der Kasse. Es sollte ein Nebenjob mit Langzeitfolgen werden.

Müllner hat zehntausende Fotos gemacht, für die "Kleine Zeitung" lichtete si sich erstmals lebst ab.

Foto © MüllnerMüllner hat zehntausende Fotos gemacht, für die "Kleine Zeitung" lichtete si sich erstmals lebst ab.

Heuer feiert Minimundus seinen 50. Geburtstag, aber keiner kennt die Anfänge so gut wie die Klagenfurterin Ingeborg Müllner. "Auf Vermittlung von meinem Großonkel konnte ich neben der Schule als Kassierin bei der ,kleinen Welt am Wörthersee' arbeiten, als sie im Sommer 1959 zum ersten Mal aufsperrte. Damals war ich 15."

Obwohl die Anlage viel kleiner war als heute, waren die Besucher vollkommen begeistert. Manchmal musste die 15-Jährige bis 22.30 Uhr warten, ehe die Veranwortlichen zur Abrechnung kamen, was in herbstlicher Dunkelheit und Kälte besonders unangenehm war. "Aber wir hatten auch viel Spaß. Es wurden drei junge Burschen eingestellt, die für die Technik und die Eisenbahn zuständig waren. Manchmal grüßten sie mich, indem sie mit der kleinen eingebauten Glocke der Kirche von Heiligenblut läuteten. Ihr Dienst dauerte nicht so lange, und wenn die Eisenbahn dann ausfiel, musste ich sie wieder in Gang bringen."

Hochhaus-Krippe. Eine Saison lang arbeitete sie bei Minimundus, dann beendete sie die Handelsschule und übernahm einen Bürojob. Doch die Einflüsse, die sie dort als Mädchen kennen gelernt hatte, wirkten weiter - bis heute. Das zeigen ihre Hobbys: Die Faszination für die Modelle findet sich wieder in ihrer Lust und Energie, hunderte Krippen zu bauen. "Zwei Ziegelkrippen stehen im Depot des Agrarhistorischen Museums Ehrental und werden immer in der Vorweihnachtszeit ausgestellt." Erst verwendete sie Flechten, Wurzeln, Baumschwämme, heute mehr Geoden wie Amethysthöhlen und andere Mineralien. Am originellsten ist ihre Hochhaus-Krippe, "ich wohne ja auch in einem Hochhaus".

Großes Interesse. Auch architektonisch lebt Minimundus in Ingeborg Müllner weiter, und zwar in der Leidenschaft für ein bestimmtes Kärntner Bauwerk-Detail. "Vor 16 Jahren habe ich mein Interesse für Stadel-Fenster entdeckt und mittlerweile sicher zehntausend Fotos davon gemacht." Zwei Bücher hat sie verfasst und bebildert- das zweite gemeinsam mit ihrem Mann Dieter. Sie könnte stundenlang darüber sprechen: dass dachschindel-ähnlich angeordnete Ziegel Funkenflug verhindern sollen, dass gekreuzte Ziegel Schlagregen fernhalten, dass alte Höfe so gebaut wurden, dass zwischen Stadel und Wohnhaus Wind ging und oft Linden gepflanzt wurden, um im Brandfall den Funkenflug so weit wie möglich zu verhindern.

Verein gegründet. 2005 gründete sie den "Verein für Stadelfenster und Ziegelkultur im Alpen-Adria-Raum", der sich der Registrierung und dem Erhalt dieser oft gefährdeten Meisterwerke widmet. "Seitdem die Bücher erschienen sind, sagen mir viele Leute, dass sie diese Dinge jetzt ganz anders beachten, manche schicken mir Fotos oder Adressen, wo lohnenswerte Objekte zu finden sind."

Nach einer Hüftoperation, die sie der ständigen Schlepperei von Kamera und verfallsbedrohten Ziegeln verdankt, muss Ingeborg Müllner etwas kürzer treten. "Aber der Arzt hat gesagt, im Herbst kann ich wieder in die Stadel und die Berge. Still zu sitzen liegt mir überhaupt nicht."

JOCHEN BENDELE

Zur Person

Ingeborg Müllner, 64, Klagenfurterin, schrieb und fotografierte zwei Bücher über Stadelfenster.
Stadelfenster-Spaziergang mit Ehepaar Müllner und Volkskundler Heimo Schinnerl am 18. 4., 13.30 Uhr ab Museum Schloss Ehrental. Tel. (0 46 3) 540 52.

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Foto © Müllner

Treffen vor dem Fotottermin. Müllner hätte gern selbst einen Bauernhof gehabtFoto © Müllner

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Müllners Lieblingsstadel am Cover eines ihrer BücherFoto © Müllner

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