Drogen: Die Süchtigen kommen in die Jahre
Anteil der Opiat-Abhängigen unter den Behandelten hat sich in Europa verdoppelt.

Foto © APADrogensucht gefährdet nicht nur Jugendliche
Wer Suchtprobleme als "Jugendprobleme" ansieht,
irrt zunehmend. Die Abhängigen kommen in die Jahre. Gesundheitswesen,
aber auch Polizei und Justiz werden sich in den kommenden Jahren
immer öfter mit Süchtigen zu beschäftigen haben, die das
Pensionistenalter erreichen. So hat sich in Europa der Anteil der
Drogenpatienten, die eine Behandlung im Alter über 40 suchten,
zwischen 2002 und 2005 glatt verdoppelt, stellte am Donnerstag die
EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) in einer Aussendung fest.
Demographische Entwicklung. Die Daten finden sich in der EBDD-Publikation "Drogen im
Blickpunkt". "Substanzkonsum im Alter: Ein vernachlässigtes Problem",
heißt es da. Der Grund liegt einfach in der demografischen
Entwicklung der Bevölkerung. Der Trend zur Überalterung in der
europäischen Bevölkerung ist unübersehbar - bis zum Jahr 2028 wird
über ein Viertel der Menschen 65 Jahre oder älter sein.
Illegale Drogen. Diese Entwicklung lässt sich natürlich auch bei den Abhängigen von
illegalen Drogen registrieren: "Schätzungen zufolge könnte sich die
Zahl der älteren Menschen, die von problematischem Substanzkonsum
betroffen sind oder unter behandlungsbedürftigen Beschwerden infolge
von Substanzkonsum leiden, im Zeitraum zwischen 2001 und 2020 mehr
als verdoppeln."
Prävalenz steigt. Der Konsum illegaler Drogen kommt bei älteren Erwachsenen zwar
weniger häufig vor als bei jungen Menschen, doch die Prävalenz nimmt
zu, so die Aussage der Veröffentlichung. In Europa hat sich laut EBDD
im Zeitraum zwischen 2002 und 2005 der Anteil der Patienten im Alter
ab 40 Jahren, die wegen Opiatproblemen behandel wurden, mehr als
verdoppelt - nämlich von 8,6 auf 17,6 Prozent.
Mögliche Verdreifachung. Schätzungen der Vereinigten Staaten zufolge könnte sich die Zahl
der über 50-Jährigen, die wegen ihrer Drogenprobleme behandelt werden
müssen, im Zeitraum zwischen 2001 und 2020 verdreifachen. Der
Direktor der EBDD, Wolfgang Götz: "Die steigende Zahl älterer
Menschen mit problematischem Substanzkonsum wird neue und höhere
Anforderungen an die Behandlungseinrichtungen stellen. Programme, die
bisher vorwiegend auf die Behandlung jüngerer Menschen ausgerichtet
waren, müssen entsprechend angepasst werden, um den Bedürfnissen der
älteren Menschen gerecht zu werden."
Probleme beim Altern. Der Prozess des Älterwerdens kann zu einer Reihe von Problemen
führen, die für die Betroffenen das Risiko eines Substanzmissbrauchs
mit sich bringen können, heißt es in der Veröffentlichung weiter.
Hierzu zählen: Soziale Probleme (Geldsorgen), psychologische Probleme
(Depression) und körperliche Beschwerden (schmerzhafte Erkrankungen).
Ein Problem können auch Medikamente darstellen. Auf über 65-Jährige
entfällt etwa ein Drittel aller eingenommenen rezeptpflichtigen
Arzneimittel in Europa, darunter häufig Benzodiazepine und opioide
schmerzlindernde Arzneimittel. Ältere Frauen neigen in höherem Maße
zum Missbrauch verschreibungspflichtiger Arzneimittel als andere
Bevölkerungsgruppen, doch werden ihre Probleme häufig nicht erkannt.
Alkohol. Hinzu kommt noch das Alkohol-Missbrauchsrisiko: In Europa geben 27
Prozent der Menschen ab 55 Jahren an, dass sie täglich Alkohol
trinken. Besonders gefährlich ist der Mischkonsum verschiedener
Substanzen.











