"Sie Volltrottel!": Bundesheer-Beschwerdebericht präsentiert
Beschwerdekommission legte Bericht für 2007 vor: Im vergangenen Jahr gab es offiziell 657 Vorwürfe - diese reichen von unterschiedlichsten Verbal-Attacken, über offenbar baufällige Unterkünfte bis hin zu einem irrtümlich entfernten Hoden.

Foto © APAEs läuft nicht alles rund beim Heer...
Das Beschwerdeaufkommen beim Bundesheer ist im vergangenen Jahr konstant geblieben - es gab 657 Beschwerden, die
Hälfte davon kam von Rekruten. Das geht aus dem am Montag
präsentierten Jahresbericht der parlamentarischen
Bundesheerbeschwerde-
kommission hervor. Diese Zahlen liegen im Schnitt der letzten Jahre. 2006 wurden 664 Beschwerden bearbeitet, wobei 47 Prozent der Meldungen von Rekruten kamen. Die meisten Meldungen (42 Prozent) betrafen den Ausbildungsbereich
und den Dienstbetrieb gefolgt von Personalangelegenheiten (33
Prozent). Insgesamt zählte die Beschwerdekommission im vergangenen
Jahr 3.929 Anfragen und Rechtsauskünfte (2006: 3.833).
Einige Auszüge aus dem Bericht:
"Eier abschneiden". Ein hochrangiger Beamter, der als Leitender eines Erprobungsschießens eingeteilt war, drohte einem Offizier, ihm "die Eier abzuschneiden", sollte das angeforderte Sanitätskraft-
fahrzeug nicht innerhalb von 30 Minuten auf der Schießbahn eintreffen.
"Eine drüber brennen". Im Rahmen eines dienst-
lichen Gesprächs sagte ein Kompaniekommandant zu einem Charge: "Spucken Sie den Kaugummi aus und und steigen Sie vom Randstein herunter, sonst brenne ich Ihnen eine drüber!" Für den Fall, dass die Charge eine Beschwerde bei der Parlamentarischen Bundes-
heer-Beschwerdekommission einbringen sollte, stellte der Offizier eine Strafe in Aussicht.
Hoden entfernt. Wegen eines tragischen Diagnoseirrtums sowohl eines Heeresvertragsarztes als auch ziviler Ärzte wurde einem Gefreiten ein Hoden entfernt.
"Sie Volltrottel". Nach dem ordnungsgemäßen Ablegen der Ausrüstung durch die Gruppe verwendete ein Rekrut anstelle der Meldung "Erstes Glied ausgerichtet!" scherzhaft die Worte "Erstes Glied zu kalt!" Er wurde von seinem Gruppenkommandanten zurückgewiesen: "Sie Volltrottel! Halten Sie die Klappe! Wenn Sie von mir eine bekommen, ist Ihnen nicht mehr kalt, sondern heiß!"
Holzwürmer. Soldaten im Auslandseinsatz wurden in Räumlichkeiten untergebracht, in denen Holzwürmer von der Decke der Schlafräume fielen. Auch mit einer behelfsmäßigen Deckensanierung durch Ausfüllen der Spalten und Öffnungen in der Holzverkleidung mit Silikon und Schaumstoff bzw. Abkleben kleinerer Spalten mit Klebeband konnte die Situation nicht verbessert werden.
Frau nicht erwünscht. Aus persönlichen Gründen untersagte ein ranghöherer Unteroffizier die Anwesenheit eines weiblichen Unteroffiziers am Gang vor seiner Kanzlei. Weiters reagierte er mit absichtlichem, lauten Zuschlagen der Kanzleitüre und verweigerte der Soldatin die dienstlich erforderliche Nutzung seiner Kanzlei.
Features
"YouTube"-Video
Eine amtswegige Prüfung leitete die Kommission im Fall der auf der Internet-Plattform "YouTube" aufgetauchten Nazi-Videos ein: Auf diesen waren einige betrunkene Soldaten zu sehen, die im Stechschritt und zum "Hitler-Gruß" gestreckter Hand marschieren und "Heil Hitler" in die Kamera brüllen.












