Aus der Aktion 20.000Der Markt regelt es nicht

Die Regierung streicht die Aktion 20.000 für ältere Arbeitslose. Ohne Plan, wie sie dieser größer werdenden Gruppe helfen könnte. Die fühlt sich zu Recht im Stich gelassen.

 

Die Aktion 20.000 ist schon tot, noch bevor sie richtig am Leben war. Am 1. Jänner sollte das Projekt aus der Pilotphase auf ganz Österreich ausgerollt werden. Beschlossen von der letzten großen Koalition, betrieben von der SPÖ, mitgetragen von der ÖVP. Nun machte die ÖVP-FPÖ-Regierung kurzen Prozess.

In zwei Jahren sollten 20.000 ältere, langzeitarbeitslose Menschen wieder einen Arbeitsplatz finden, das war der Plan. Vorrangig bei Gemeinden und Vereinen, mitfinanziert von der öffentlichen Hand.
Keine Frage, dass Wirtschafts- und Arbeitsmarktexperten damit nicht nur Freude hatten. Es handelt sich bei der Aktion um Sozialpolitik und nicht um eine Maßnahme, die Langzeitarbeitslose langfristig in den Beruf zurückführt. Was mit den subventionierten Jobs nach zwei Jahren, am Ende der Aktion, passiert wäre, dafür gab es keinen Plan. Hätten die Beschäftigten auch ohne Zuschüsse ihre Jobs behalten?

So berechtigt die Zweifel an dieser Aktion also sind, so verständlich ist aber die große Enttäuschung auf der anderen Seite, besonders bei den betroffenen Jobsuchenden. Denn das scheinbare Argument der Regierung, das Instrument sei in Zeiten der brummenden Konjunktur nicht mehr notwendig, ist nicht stichhaltig.

Die Wirtschaft in Österreich wuchs bereits das gesamte Jahr 2017 so stark wie seit 2013 nicht mehr (um beachtliche drei Prozent). Erwartungsgemäß sank die Zahl der Arbeitslosen im vergangenen Jahr in allen Bereichen, nur in zwei Gruppen ging sie nach oben: bei den Ausländern und – noch stärker – bei Personen ab 50 Jahren. Der Markt mag viel regeln. Doch dass auch genügend Ältere vom Aufschwung profitieren – das regelt er offensichtlich nicht zur Zufriedenheit. Das, bitteschön, ist nichts, was Politiker nicht längst wissen müssen.
Nicht nur in Österreich suchen die Verantwortlichen genau genommen seit Jahrzehnten nach einem Rezept gegen die Langzeitarbeitslosigkeit ab 50, das über die öffentliche Subventionierung von Beschäftigungsprojekten hinausgeht. Die traurige Wahrheit ist, es gibt keines – und so hat auch die neue Regierung die Aktion 20.000 mehr oder weniger ersatz- und planlos gestrichen.

Es heißt zwar, das nun frei werdende Geld soll für Weiterqualifizierungen verwendet werden, um dringend benötigte Facharbeiter ausbilden zu können. Eine begrüßenswerte Maßnahme, grundsätzlich. Allerdings werden diese Investitionen wohl an den älteren Arbeitssuchenden vorbeifließen.

Da diese Gruppe immer größer wird – mittlerweile ist jeder dritte Jobsuchende in Österreich über 50 –, wäre die Politik nun mehr denn je gefordert, Konzepte zu haben. Das bloße, abrupte Abdrehen einer Aktion stellt noch keine Lösungskompetenz dar.

Im Gegenteil. Einige tausend Menschen in Österreich, für die das Jobprojekt mehr als ein Hoffnungsschimmer war, fühlen sich im Stich gelassen. Für sie heißt es einmal mehr: zurück an den Start. Das ist bitter.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

macalomi
3
3
Lesenswert?

AMS

Ganz verstehe ich die Aufregung nicht. Der AMS Chef selbst hat persönlich um die Einstellung des Programmes gebeten! Außerdem weiß ich von lokalen AMS Mitarbeitern, dass Sie diese Aktion nicht gut geheißen haben und dafür kaum Leute bekommen haben, da nach max. 2 Jahren diese wieder in der Luft hängen.

Antworten
scionescio
4
6
Lesenswert?

Sozialpolitik made by Dunkelbunt ...

... und wieder auf dem Rücken der Schwächsten!

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.