Olympische Spiele 2026Zurück in die Zukunft

Warum sich die Tiroler und Innsbruck der Herausforderung Olympia stellen dürfen – und wieso genau jetzt der richtige Zeitpunkt für dieses Abenteuer ist.

 

Der Tiroler gilt gemeinhin als selbstbewusst. „Bisch a Tiroler, bisch a Mensch. Bisch koaner, bisch koaner“, lautet ein viel zitierter Aphorismus, mitunter ist er gelebte Praxis. Dementsprechend selbstbewusst ist die Frage, die den Tirolern am Sonntag gestellt wird: Sie sollen nicht befürworten, dass man sich um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2026 bewirbt, nein. Sie sollen ihre Erlaubnis geben, dass man dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ein Angebot vorlegt, das dieses annehmen kann – oder auch nicht. Was früher undenkbar war, verspricht aber in der Gegenwart Erfolg. Es trifft sich gut, dass das IOC von einem Skandal in den nächsten taumelt, dass die negativen Schlagzeilen über Schäden und finanzielle Kollapse der Austragungsorte der jüngeren Vergangenheit nicht abreißen. Die fünf Ringe sind auf dem besten Weg, sich zu entfremden. Die Marke Olympia wird zunehmend mit Bonzen, Größenwahn und finanziellen Abenteuern assoziiert – und erst dann mit Sporthelden, Emotionen und völkerverbindenden Spielen.


Es ist höchste Zeit, korrigierend einzugreifen, das weiß man auch im IOC. Für die Sommerspiele 2024 und 2028 wurden schon neue Wege beschritten. Die oberste Prämisse:
„Redimensionierung“. Weg vom Gigantismus, den man sich mit der Vergabe der Spiele an diverse Regime eingehandelt hat. Die olympische Bewegung, die sich immer über die Politik gestellt hatte, ließ sich just von dieser vereinnahmen. Man ließ sich hofieren von autoritären Regimen, feierte sich für das „Erschließen neuer Märkte“ – und steckte viel Geld ein. Nachhaltigkeit? Klang immer gut, geschah nie. Den Höhepunkt wird man bei den Spielen 2022 in China erleben, wo die gesamte Infrastruktur aus dem Boden gestampft wird. Wenn es wirklich eines neuen Berges bedurft hätte, scherzte IOC-Mitglied Gianfranco Kasper, die Chinesen hätten ihn gebaut.


Noch bevor es wirklich so weit ist, zieht das IOC die Handbremse. Zurück in die Vergangenheit, heißt es jetzt. Nutzen des Vorhandenen, Rückkehr in die Heimat des Wintersports, am liebsten in die Alpen. Vielleicht also nach Tirol.
Sollten die Tiroler also am Sonntag Ja sagen, eröffnet sich die Möglichkeit, Spiele wirklich nach den eigenen Möglichkeiten auszurichten und nicht blind Bedingungen und Auflagen zu erfüllen. Klar ist: Olympische Spiele waren nie Problemlöser, im Gegenteil. Sie decken Mängel schonungslos auf. Doch auch darin liegt eine Möglichkeit. Es mag bei den Spielen auch darum gehen, Österreichs Spitzensport zu stärken, den Nationalstolz mit Goldmedaillen zu stützen. Es geht aber auch darum, andere Weichen zu stellen – und das Zugpferd Olympia nicht mit dem Bau „weißer Elefanten“ zu belasten, sondern sich mit Gedanken über die Digitalisierung, den Tourismus der Zukunft, neue Transportarten zu beschäftigen. Kurz: Mut für Neues zu zeigen. Damit der Schritt zurück einer in die Zukunft werden kann.

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