OECD-BildungsberichtBildung hinterm Zahlenwust

Der jüngste OECD-Bildungsbericht stellt Österreich ein ganz passables Zeugnis aus. Problemfelder erkennt man bei der Kostenstruktur, beim Zugang, bei der Beteiligung.

 

Jedes Jahr, wenn die Schule eben beginnt, wird er fällig: der Bildungsbericht der industrialisierten Länder, der OECD-Bericht „Education at a Glance“.

Es wäre nett, könnte man – wie der Titel suggeriert – Stärken und Schwächen der OECD-Staaten „auf einen Blick“ in dem Zahlenwerk erkennen. Doch das Konvolut hat eher die Tendenz, Fakten unter einem Zahlenwust zu begraben, anstatt sie herauszupräparieren.
Auch heuer bot der Bericht, was Österreich betrifft, kaum Überraschungen: Die Bildungsausgaben pro Schüler liegen weit über dem Schnitt, auch die Hochschulausgaben pro Absolvent liegen im Spitzenfeld.
Die Bildungsabschlüsse liegen im OECD-Schnitt. Mag es bei uns auch weniger Bachelor-Absolventen geben, punkten wir mit der Matura und höheren akademischen Abschlüssen. Vergleiche sind wegen unterschiedlicher Schulformen hier auch nicht ganz einfach.

Aufreger früherer Jahre – etwa die bescheidene Akademikerquote in Österreich – gibt es wegen realistischer Zuordnungskriterien nicht mehr.
Andere, auf den ersten Blick große Unterschiede klären sich rasch auf: So studieren zwar viele ausländische Studierende in Österreich, aber nur wenige Österreicher im Ausland. Kein Wunder: Im Bereich der Musik zieht Österreich Studenten aus aller Welt an. Umgekehrt fällt es Österreichern naturgemäß schwer, die eigenen Gratis-Universitäten zu verlassen, um teuer an ausländischen Hochschulen zu studieren.

Womit man wieder bei den besonders hohen Kosten wäre. Man kann das für sinnvoll finden, denn hohe Gehaltsschemata, geringe Arbeitszeiten und Anwesenheitspflichten machen den (Hochschul-)Lehrerberuf sehr attraktiv und ziehen daher hoffentlich gute Leute an.
Bedenklicher ist, dass die Österreicher kaum bereit sind, für die eigene Bildung oder jene ihrer Kinder zusätzlich zu den hohen Steuern noch extra ins Geldbörserl zu greifen. Im OECD-Schnitt geben Eltern dreimal (Schule) bzw. fünfmal (Unis) mehr privates Geld aus als Österreicher.
Das ist politisch so gewollt. Bei uns gilt Bildung als Staatsaufgabe. Auch deshalb ist der Bildungsbereich bis heute so sehr parteipolitisch umkämpft.

Das viele staatliche Geld ändert offenbar wenig daran, dass die Aufstiegschancen für Nichtakademikerkinder in Österreich besonders schlecht ist.

Die OECD macht den Versuch, eine Art finanzielle Bilanz zu ziehen. So profitiere der Staat in Form von erhöhten Steuern und Abgaben von einer höheren Ausbildung der jungen Menschen – in Österreich soll das bei einem Hochschulabschluss zwischen 80.000 und 200.000 Dollar betragen.


Mag sein, mag nicht sein.
Dass Bildung ein hoher Wert ist, für jeden persönlich und für die Gesellschaft, steht zum Glück völlig außer Streit. Der OECD-Bericht zeigt, dass wir ganz gut aufgestellt sind. Für eine intensive Qualitätsverbesserung taugt das globale Zahlenwerk allerdings nur bedingt.

Kommentare (1)

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alfons3
1
0
Lesenswert?

Aufstiegschanzen bei Nicht-Akademikern

Da hammas wieder. Jeder sollte studieren, jeder wenigstens einen Bachelor erwerben. Was ist dann der Erfolg, wir haben jeder Menge akademisch gebildete Herumsitzer, Taxifahrer , und Beamte, müssen aber unsere Handwerker aus dem benachbarten Ausland rekrutieren, da der inländische Markt nicht entsprechend ausgebildet wurde.
Mitschuld ist auch die Industrie, bzw. deren "hochqualifizierten" Manager, die dann aud dem riesiegen Pool von G´studierten eine Handvoll herauspickt und sich mit Robotern behelfen muß da es keine qualififierten Handwerker mehr gibt. Ich habe in den USA einen MBA gemacht und mußte sehen, wie dort das Handwerk, bzw. die Ausbildung vernachlässigt wird. Highschool verdrängt dort die Lehre mit "eh schon wissen" Erfolg.
Die Medienfritzen, meines Erachtens großmäulige Kaffeesudleser, sollten, wenn sie schon so gescin scheinende Artikel unters Volk brinegn, sich erstmal die Auswirkungen ihres Geschreibsels vor Augen führen.
Doch dazu fehlt es möglicherweise an "common sense"

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