Zur Schmelze der AntarktisDie fahrlässigen Zögerer

Das Dahinschmelzen der Antarktis führt vor Augen, dass der Klimawandel uns alle betrifft. Jene, die das aus politischem Kalkül ignorieren, handeln unverantwortlich.

 

Der Begriff ist genau genommen eine Fehlkreation: „Klimaschutz“, was soll das sein? Das Klima bedarf keiner Rettungsaktion, keiner jährlichen Gipfelgespräche und keiner Elektroautos. Das Klima muss nicht beschützt werden, es existiert, solange der Planet mit seiner Atmosphäre um die Sonne kreist. Wir selbst sind es, die sich davor schützen müssten, das Klima zu unseren Ungunsten zu verändern.

Was uns Klimaforscher jahrzehntelang vorgerechnet haben, manifestiert sich nun mit Wucht in der Praxis. Die Erderwärmung ist dabei, die Zustände auf unserem Planeten für die kommenden Jahrhunderte radikal zu verändern. Eine aktuelle Manifestation dessen ist der Abbruch des 5800 Quadradkilometer großen Eisbergs in der Westantarktis zu Wochenbeginn. Die Eiskappen schmelzen ab, der Meeresspiegel klettert, Hitzewellen nehmen zu.

Angesichts all dessen wirkt es fast surreal, wenn der derzeitige US-Präsident seine Thesen von der Nicht-Existenz des Klimawandels zum Besten gibt. Ob eine „Erfindung der Chinesen“ oder eine Weltverschwörung des gesamten Wissenschaftsbetriebs – kein Argument scheint zu skurril, als dass es Donald Trump nicht in die Schlacht werfen würde.

Ob der „Führer der freien Welt“ selbst glaubt, was er da verbreitet? Man weiß es nicht genau. Was für ihn letztlich ausschlaggebend sein dürfte, ist das innenpolitische Kleingeld, das er sich als Rendite seines Kurses erhofft. Die Vermutung liegt nahe, dass FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache von einer ähnlichen Motivlage getrieben ist, wenn er die Legende vom einstigen Weinanbau auf Grönland aus der Mottenkiste holt. Den Wein hat es dort zwar nie gegeben, doch solange sich ein paar Klimawandel-Zweifler zum blauen Kreuzchen treiben lassen, hat es sich ausgezahlt.

Bleibt die Frage, ob der Kurs der Bundesregierung im Vergleich dazu um so viel ehrlicher ist. Der Klimawandel wird hier zwar nicht geleugnet. Aber damit hat es sich dann auch schon. Die klimapolitische Bilanz der letzten Jahre beschränkt sich – abgesehen von einer mühsam abgerungenen Ökostrom-Novelle – auf nicht viel mehr als ein leeres Blatt Papier.
Dabei war die Faktenlage noch nie so klar. Es wird von Jahrzehnt zu Jahrzehnt heißer, das Eis schmilzt ab, die Vegetation verändert sich, der Meeresspiegel steigt, Ökosysteme kippen. Das alles verursacht Kosten, zerstört Existenzen.

Langsam darf auch jenen, die mit der Klima-Physik oder dem Umsetzungswillen auf Kriegsfuß stehen, dämmern, dass es in diesem Spiel nicht darum geht, das Leben von Eisbären gegen jenes von Tankstellenbetreibern aufzurechnen. Es geht nicht um die Existenz des Orinoco-Regenwalds oder jene des Planeten.

Es geht darum, dass wir uns Stück für Stück die eigenen Lebensgrundlagen entziehen. Politiker, die den Handlungsbedarf ignorieren oder bewusst hintertreiben handeln fahrlässig. Nicht dem Klima gegenüber, sondern gegenüber jedem Einzelnen ihrer Wähler.

Kommentare (2)

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49erkorl
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"Wasser predigen ...

... und Wein trinken" ist heute das Lebensprinzip vieler Menschen.
Da wird lauthals Rücksicht auf unsere Umwelt eingefordert, während man dann den all-inclusive-Urlaub in Kuba bucht.
Da müssen junge Leute unbedingt die USA oder Australien kennen lernen, wenn sie noch "feucht hinter den Ohrwascheln sind".
Da braucht man als Stadtbewohner unbedingt einen SUV - man kann sich den wohl leisten!
Da frönen immer mehr Zeitgenossen ihrem Fliegerhobby am Wochenende und stören dabei so nebenbei die Ruhe, die andere drngend brauchen. ...usw.
Wie soll sich da etwas verbessern, wenn der Einzelne nicht bereit ist, sich einmal ein wenig einzuschränken?

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Mein Graz
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eingeschränkte zustimmung

wenn junge menschen andere länder kennen lernen, erweitert das ihren horizont (und die immer wichtiger werdenden sprachkenntnisse). allerdings können sich das wirklich nicht so viele leisten, wie die älteren ihren suv, ihr fliegerhobby oder ihre kubareise.
gerade wenn einer noch feucht hinter den ohrwascheln ist, sollte er doch seine eigenen erfahrungen machen!

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