Glawischnig-RücktrittBlick in den Abgrund der Politik

Nach Faymann und Mitterlehner hat nun auch Grünen-Chefin Glawischnig alles hingeschmissen. Der drohende Misserfolg bei der Wahl nährte die innerparteiliche Intrige.

 

Was ist los mit der Politik? Oder entspricht das dem Wesenskern von Politik? Nach Mitterlehner und Faymann kehrt nun auch Eva Glawischnig der Politik den Rücken – nach einem Muster, dem neben Mitterlehner und Faymann auch Spindelegger, Pröll gefolgt sind: Statt das Zepter dem Nachfolger in geordneter Weise zu übergeben, hat auch Glawischnig einfach alles hingeschmissen.

Der Moment des Abgangs gewährt einen Einblick in die Eingeweide und Abgründe von Politik, die normalerweise hinter von Spindoktoren, Politikberatern und Parteigeschäftsführern geglätteten Fassaden kaschiert werden. In dem schmalen Zeitfenster des Abschieds lässt sich die Verbitterung über erlittene Schmach und Demütigung nicht verbergen. Mitterlehner erstaunte die Öffentlichkeit mit der Bemerkung, er habe keine Lust mehr, nur noch als Platzhalter zu fungieren, bis dem Nachfolger der richtige Zeitpunkt untergekommen ist. Ernüchternd war auch Glawischnigs Randbemerkung, der Einzug der Grünen in den Kärntner Landtag war das erste und letzte Mal, wo ihr Voggenhuber persönlich gratulierte. Freund, Feind, Parteifreund.

Glawischnig wollte den Rücktritt erst heute verkünden, nur ganz wenige waren unter dem Siegel der Verschwiegenheit in die Sache eingeweiht, doch die Indiskretion machte den Plan zunichte. Diese Illoyalität hat ihr den Abschied wesentlich erleichtert. Schmutzige Politik? Die sexistischen Hasstiraden in den sozialen Medien stellen eine neue Qualität dar. Wer den Niedergang der Moral beklagte, sollte sich lieber mit den alten Griechen befassen oder bei Cicero nachschlagen.

Unter Glawischnig stieg die Partei zur erfolgreichsten europäischen Grünbewegung auf. Von zwölf Prozent können die Grünen in anderen Ländern nur träumen, geschweige denn von einem durch Volkswahl gewählten Präsidenten. Dass der erfolgreiche Chefstratege der Partei, Stefan Wallner, nach der erfolgreichen Hofburg-Wahl in die Privatwirtschaft wechselte, war kein gutes Omen.

Dass die Grünen nach Van der Bellens Triumph nicht wieder auf Touren kamen, ist der Parteichefin anzulasten, ebenso das katastrophale Krisenmanagement um die jungen Grünen. Glawischnig wirkte in letzter Zeit zunehmend ausgelaugt. Da war es nur logisch, dass sich intern langsam Unmut aufstaute. Noch sind die Hintergründe des Rücktritts nicht bekannt, vielleicht kam Glawischnig einer Entmachtung zuvor. Im Kampf um die Nachfolge treten alte Frontlinien zwischen den Wiener Fundis und Realos in der Provinz, den Silberrücken und der Jugend ans Tageslicht.

Dass die Grünen ob des Dreikampfs zwischen Kern, Kurz und Strache ohne Chancen sind, stimmt keineswegs. Da auch Kern in der Flüchtlings- und Sicherheitspolitik nach rechts rückt, tut sich links ein sehr weites Feld auf. In Ermangelung einer Linkspartei könnten sich die Grünen als Austrolinke positionieren, um nicht Gefahr zu laufen, im Bund einstellig zu werden.

Kommentare (1)

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Lamax2
0
0
Lesenswert?

Programm?!

"Ingrid" ist sehr nett, aber es wird auf die politischen Aussagen und Richtungen ankommen.

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