Die Transferfrist läuft bald ab. Da und dort tauscht noch einer das Trikot, ehe die neue Wahl-Saison beginnt. Robert Lugar läuft jetzt in Blau aufs Feld, Orange und Gelb sind Geschichte. Die Ablösesumme ist nicht bekannt. Im Fall Lugars zahlen wohl beide: Er selbst muss beim dritten Parteiwechsel in seinem Politikerleben das Gesicht abgeben. Strache kostete die Übernahme des Legionärs sichtlich Überwindung. Hatte er nicht einmal über den abtrünnigen Freiheitlichen geäußert: „Einmal Verräter, immer Verräter.“? Jetzt spricht er von der neuen „G’scheitheit“ des Kandidaten und von der Kraft der Vergebung. Auch schön.

Lugar ist Demütigung gewöhnt, die gab es bei Frank Stronach ja auch. Er lässt sich nichts anmerken. Eine halbe Stunde ließ ihn Heinz-Christian Strache im Vorzimmer warten, ehe er auch ihn vorstellte – als den Mann, der hinter einer weithin unbekannten oberösterreichischen Rechtsanwältin um die Gunst der Wählerinnen und Wähler kämpfen darf. Fast hätte einem der Geprügelte leidtun können.

Die geringe Glaubwürdigkeit des heimgekehrten Sohns ist das geringste Problem, mit dem die Freiheitlichen konfrontiert sind. Vor zwei Jahren noch schien nichts mehr den Durchmarsch der Blauen an den ersten Platz im Parteiengefüge verhindern zu können. Die Regierung wusste sich in der Flüchtlingskrise nicht zu helfen. ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner versuchte es mit Aussitzen, Bundeskanzler Werner Faymann mit wohlfeilen Phrasen. Die Innenministerin agierte hektisch und ohne erkennbares Konzept. Das waren gute Tage für die Freiheitlichen. Sie sprachen aus, was viele dachten, auch Menschen, die nie auf die Idee gekommen wären, die Partei zu wählen. Die Umfragewerte wiesen fast ein Drittel Zustimmung aus. Zur Erinnerung: 2013 hatten nur 20,5 Prozent der Wähler ihr Kreuz neben der FPÖ gemacht.

Seither hat sich vieles getan. Straches Gegner von einst, deren Schwächen ihm die Wähler in Scharen zugetrieben hatten, sind Geschichte. Nach schmerzhaften Niederlagen mussten auch die anderen Parteien lernen, dass der Schutz der Grenzen und die Sicherheit im Land, dass Migration und ihre Kontrolle nicht rechte Themen sind, sondern wichtige. Seither ist es ruhiger geworden um die FPÖ. Zwei Monate vor der Wahl wirken die Herausforderer von einst wie Zuschauer im Hahnenkampf der einstigen Regierungspartner. Die Partei vertröstet auf die heiße Phase des Wahlkampfs im Herbst. An der ungünstigen Ausgangslage wird sich bis dahin allerdings kaum etwas ändern.
Die Ruhe lässt sich aber auch anders erklären. Straches Blatt ist besser, als es auf den ersten Blick scheint. Über das Ergebnis von 2013 zu klettern, dürfte der Partei nicht schwerfallen. Nicht als erste durchs Ziel zu laufen, könnte sich als Vorteil erweisen: Man kann sich den Partner aussuchen. Hätte ein siegreicher Strache den Kanzleranspruch gestellt, wer hätte ihm den Steigbügel gehalten?