Lebensmittelskandal um Fipronil-EierDer entmündigte Konsument

Der Eierskandal führt vor Augen, wie viel bei der Kennzeichnung unserer Lebensmittel immer noch im Argen liegt. Für einen Kurswechsel wäre es höchst an der Zeit.

 

Es sind Millionen von Hühnereiern, die mit dem neurotoxisch wirkenden Stoff Fipronil kontaminiert und in Europa in Umlauf gekommen sind. Ein Lebensmittelskandal großen Stils, der Konsumenten wie Politiker einmal mehr ratlos fragen lässt, wie so etwas in einem ausgeklügelten System voller Sicherheitsvorschriften und Kontrollen nur passieren kann.

Dabei ähnelt der zu Monatsbeginn bekannt gewordene Missstand in seiner Grundcharakteristik den meisten bisher da gewesenen Lebensmittelskandalen. Ob Pferdefleisch in der Wurst oder EHEC-Bakterien im Gemüse: Stets war es ein lokal begrenztes Fehlverhalten, dessen Folgen sich binnen kürzester Zeit auf den halben Kontinent fortgepflanzt haben.

Es sind Skandale wie der derzeitige, die ein Stück weit preisgeben, was sonst unter der Decke des öffentlichen Bewusstseins bleibt: Dass sich die Äste unserer Lebensmittelindustrie über ganze Kontinente hinweg verzweigen und die Wege, die unsere Nahrungsmittel zurücklegen, verwinkelt und oft Tausende Kilometer lang sind. Der Eierskandal ist die Antithese zum Trends in Richtung regionaler, biologischer Ernährung.

700.000 Import-Eier

Die Verantwortung dafür allein den Konsumenten – also uns allen – zuzuschieben, greift zu kurz. Der aktuelle Skandal veranschaulicht das gut. So bekommt der Konsument die meisten der rund 700.000 Eier, die Österreich jedes Jahr importiert, überhaupt nie zu Gesicht – zumindest nicht in ihrer ursprünglichen Form. Sie gehen fast ausschließlich in Gastronomie und in Lebensmittelverarbeitung und begegnen uns erst in der Schnitzelpanier oder als Fertignudeln. Der Grund: Die Schaleneier im Handel tragen eine Herkunftskennzeichnung, und es hat sich erwiesen, dass die Österreicher hochwertige Eier aus lokaler Produktion bevorzugen. Importware würde in den Regalen liegen bleiben.

Lebensmittelindustrie und Gastronomie dagegen müssen die Herkunft der verarbeiteten Eier nicht kundtun. Nur wenige weichen freiwillig von der Regelung ab. Hier ist der Billigimport aus großen Tierhaltungsstrukturen willkommen. Was man nicht sieht, juckt auch keinen. Immerhin sind es zwei Drittel aller Eier, die in Österreich im Gastro- und Verarbeitungsbereich landen. Die österreichischen Schaleneier im Handel spiegeln somit nur einen Bruchteil der wirklichen Umstände wider. Im großen restlichen Feld werden die Verbraucher in ihrem Konsumverhalten entmündigt.

Es ist nicht schlüssig erklärbar, warum eine lückenlose Herkunftskennzeichnung nicht für alle Bereiche umsetzbar sein soll, die Ausweisung jedes einzelnen Allergens in den Speisekarten aber schon. Eine Garantie, dass Lebensmittelskandale künftig ausbleiben, wäre eine solche Kennzeichnung freilich nicht. Doch sie würde den Konsumenten wenigstens die Entscheidungsgewalt darüber zurückgeben, woher das Essen stammt, das auf ihren Tellern landet. Ein Zustand, der eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Kommentare (1)

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pinsel1954
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4
Lesenswert?

....die Gastronomie.....

...auch da hätte es der Konsument ein wenig in der Hand.
Einfach am Abend nicht zum Gastronomen essen gehen und zu hause aus guten heimischen Produkten selber für die Familie ein Essen zubereiten.....
Wetten, im nu wären unsere Gastronomen bereit bekannt zu geben woher ihre Produkte wirklich kommen....

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