Zur Grazer Olympia-IdeeEine unbequeme Zumutung

 

Im Grunde ist es eine verdammt unösterreichische Zumutung, mit der die zwei Bürgermeister Siegfried Nagl (Graz) und Jürgen Winter (Schladming) seit einigen Wochen der Allgemeinheit auf die Nerven gehen: Olympische Spiele wollen sie abhalten. Ausgerechnet mit der schwer verschuldeten Stadt Graz als Gastgeber. Und mit einem ziemlich konturlosen Ensemble von Sportstätten, verstreut über den ganzen Ostalpenraum. Mehr haben wir nicht gebraucht.

So eine Idee bedeutet große Strapazen für unseren wenig belastbaren Möglichkeitssinn und für das allgemeine Ruhebedürfnis in einer Kleinstadt. Die fest verankerte Gewissheit des Österreichers, aus eigener Kraft sowieso nichts Besonderes zustandezubringen, verbindet sich mit gesättigter Selbstgenügsamkeit und antrainiertem Politikverdruss zur Phalanx der drei großen Daseinsfragen, die noch jeder unbequemen Idee ein erstklassiges Begräbnis bereitet haben: Zu wos brauch’ ma des? Wer soll des zahl’n? Was hab’ i davon?

Dabei hat gerade Graz vor 15 Jahren bewiesen, dass man aus der Umsetzung einer kühnen Idee nicht nur kurzfristigen Nutzen ziehen kann. Das Projekt „Kulturhauptstadt Europas 2003“ war eine Mutinjektion und ein urbanes Modernisierungsprojekt, das beileibe nicht nur ein paar finsteren Baulöwen dubiose Profite eintrug. Die Stadt, ja der ganze Landstrich gewann dauerhaft an Statur. Frischluft durchpflügte den Feinstaubteppich.

Aber man kann, auf der anderen Seite, auch gut den geballten Argwohn verstehen, der dem olympischen Projekt entgegenschlägt. Die Skepsis kommt nicht von ungefähr, sie speist sich „urbi et orbi“ aus unschönen Umständen. Da ist einmal die gründlich in Misskredit geratene olympische Idee – die ungenierte Korruption zweifelhafter Autokraten scheint bei der Vergabe regelmäßig die Trumpfkarte zu sein. Da ist ein undurchschaubares Geschäftsmodell, das den Profit von Eliten institutionell garantiert, anstatt die Erlöse (wie die Lasten) an alle zu verteilen.

Die Spontangeburt der Idee am Pistenrand in Schladming, der Zeitdruck und die fehlenden finanziellen Grundlagen tragen auch nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Deutlich zeigt sich hier, dass die Verschwendungssucht vergangener Tage nicht nur Geld gekostet hat, sondern auch heute und morgen Chancen vernichtet.

Olympia einmal völlig anders zu gestalten, sanfte und umweltverträgliche Spiele anstelle von Gigantomanie und Betonkorruption – das wäre eine schöne Botschaft. Aber sie klingt so utopisch, dass kaum jemand daran glauben mag. Die Politik hat im Volk keinen Kredit mehr, sie müsste klug und behutsam ihr Elitenproblem kurieren. Es käme darauf an, auf dem hierzulande meist schmalen Grat zwischen Genie und Größenwahn mit Ausdauer und Trittsicherheit zu glänzen.

Landen wir mit dieser Vision beim Arzt? Oder doch irgendwann am Zielhang? Es wäre gegen jede Wahrscheinlichkeit.

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Danke für Ihr Verständnis.

peterkoch63
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Wer keine Visionen hat ....

hat sich schon aufgegeben. Gerade Ideen, die einwenig verrückt sind, haben gute Chancen sehr erfolgreich zu sein. Danke den beiden Bürgermeistern für diesen Mut es wenigstens mal zu versuchen und nicht sofort in die Bequenlichkeitszone der Politik abzutauchen.

Wer schon mal bei so einer Veranstaltung dabei war, mitgearbeitet hat und auch die Begeisterung einer großen Bevölkerung erlebt hat, vor allem wenn man gemeinsam etwas tolles geschafft hat, versteht erst, was alles möglich ist.

Und das ist, glaube ich, der Punkt. Wir haben eine kleine Chance etwas Großes zu machen, mit allem Sicherheitsbedenken, professioneller Gebarung und Transparenz. Aber das wollen offenbar Grüne, KPÖ und vor allem die SPÖ nicht. Das Graz, die Steiermark und Österreich etwas schaffen auf das wir noch lange stolz sein werden. Das macht Menschen selbstbewußt und entfacht neue Kräfte - und definiert Heimat und Gemeinschaft neu. Und davor hat Links Angst.

Wenn wirs nicht werden geht die Welt nicht unter - wenn wirs nicht mal probieren haben wir schon verloren. Gebt den Machern einfach eine faire Chance mal die Fakten zu erheben damit man seriös darüber reden kann.

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