Buwog-ProzessSmalltalk im Kindergarten

Im Buwog-Prozess erleben wir zur Zeit die Fortsetzung der Strafrechtspflege mit den Mitteln des Kindergartens. Das ist bedauerlich, aber durchaus Absicht.

 

Verteidiger erscheinen vor Gericht in schrillen Kostümen, als hätten sie in der Früh als erstes die Verkleidungskiste geplündert. Im Sitzkreis quengeln erwachsene Anwälte eine Dreiviertelstunde lang, weil sie „zu niedrig“ sitzen. Kurzum: Die Verteidigung im Buwog-Prozess scheint derzeit eine Kindergartenpädagogin fast so nötig zu haben wie eine Richterin.

Die Richterin verfügt, soweit bekannt, über keine Kindergartenausbildung. Man versuchte sie vor dem Prozess für nicht zuständig erklären zu lassen. Dann wurde sie bei Prozessauftakt (vergeblich) abgelehnt, weil ihr Mann privat etwas über einen Angeklagten gepostet hat. Jetzt, scheint es, versucht man ihren Puls konstant auf 180 zu halten, um Fehler oder Anzeichen von Parteilichkeit zu provozieren. Bisher dürfte ihr aber nichts unterlaufen zu sein, was für eine Nichtigkeitsbeschwerde verwendbar wäre.

Da „plaudert“ auch noch der Verteidiger von Karlheinz Grasser am Gang mit Schöffen, die sich prompt von ihm bedrängt fühlen. Noch der hinterletzte Gerichtsreporter-Volontär lernt als erstes: Laienrichter sind tabu. Sie sind juristische Laien in einem Saal voll Profis und sollen ein hoffentlich richtiges Urteil fällen.

Sie werden nicht fotografiert. Keiner filmt sie. Niemand redet sie an, um nur ja nicht den geringsten Anschein zu erwecken, man wolle sie beeinflussen oder bedrängen. Ein Strafverteidiger mit ungezählten Jahresringen unter den treuherzigen Augen führt nicht einfach so am Gang „Smalltalk“ mit Schöffen über die Hobbys ihrer Kinder oder sonstige private Verhältnisse. Auch kein Ich-weiß-wo-dein-Auto-wohnt-Gespräch.

Vorhang auf, Sie sehen: Wiener „Promi-Anwälte“ bei der Arbeit. Man mag das unterirdische Niveau beklagen oder es sogar noch witzig finden. Aber eines sollten Sie nicht: Glauben, dass da irgendetwas absichtslos passiert. Keiner behauptet sich jahrzehntelang als „Promi-Anwalt“ samt Fernsehzeit zur Primetime und Star-Gagen, weil er besonders blöd ist oder nicht weiß, was er tut. Die Richterin hat den Herrn Verteidiger „streng gerügt“. Vielleicht ist sie schon auf 185, und der Buwog-Prozess dauert ja noch ein paar Monate.

Der Laie könnte jetzt meinen: Wenn man einen starken Stand hat, braucht man keine Spompanadeln. Tja, ein bisschen verzweifelt wirkt das schon. Die Verteidiger sind mit einem Angeklagten konfrontiert, der lästigerweise ohne Rücksicht auf ihre Mandanten geständig ist. Da wird man leicht mit in den Abgrund gerissen. Und wenn einer reinen Tisch macht, dann sieht man als Mitangeklagter schnell blass aus, wenn man darauf beharrt, dass da nichts, aber schon gar nichts war.

Jeder kann sich verteidigen, wie er will. Am Ende steht ein Urteil – das dann bekämpft wird. Aber irgendwann wird der OGH entscheiden, und dann wird es heißen: Vielleicht hätte man mehr verteidigen und weniger Kasperltheater veranstalten sollen. Oder: Alles richtig gemacht! Denn Recht hat, wer Recht bekommt.

Kommentare (3)

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pinsel1954
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Faschingskostüm im Gericht......

...ich frage mich, wenn ein Rechtsanwalt so kostümiert in ein Gericht geht, will er damit das Gericht lächerlich machen?
Was will er damit bewirken? Selbstdarstellung? Aufmerksamkeit, oder gar seinen Klienten in eine ungute Situation bringen?
Was würde das Gericht sagen, wenn ein normaler Bürger mit
einem bunten Nachthemd im Gericht erscheinen würde?

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CuiBono
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Dank an Redakteur Alfred Lobnik

Ihrem Kommentar ist nichts hinzuzufügen.

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BernddasBrot
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Ene gezielte subversive Agitation

von Ainedter & Ainedter , was sonst. In Wien ist er als Strizzi - Anwalt bekannt . Er weiß genau , dieses Spiel kann er mit seinem KHG nicht mehr hoch gewinnen . Die Kärntner Richterin scheint mir sehr gut vorbereitet zu sein....

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