Black Friday Nüchtern im Konsumrausch

Der heutige „Black Friday“ ist ein weiteres Konsumfest mit Migrationshintergrund, das die Dauerrabattschlacht befeuert. Moralische Empörung ist fehl am Platz.

 

Mit dem heutigen „Black Friday“, dem Schwarzen Freitag, ist ein
weiteres „Konsumfest“ aus den USA bei uns angekommen. Im Kontrast zu anderen Import-Feiertagen, also Anlässen mit Migrationshintergrund, wird hier zumindest nicht auch noch versucht, eine Art von Bedeutungsschwere zu konstruieren.

Der Tag ist nichts anderes als ein einziger Einkaufs-Event. Es geht ums Shoppen. Punkt. In den USA ist der „Black Friday“ ein klassischer Zwickeltag, nach dem Thanksgiving-Fest am Donnerstag wird der Freitag dem Konsum gewidmet. In unseren Breiten gibt es zwar weder den entsprechenden Feiertag noch den Fenstertag, aber eben neuerdings – und mit zunehmender Verbreitung – diesen Einkaufstag. Klingt absurd – und ist es zum Teil auch.

Der Versuchung, angesichts dieser zunehmenden Event-Globalisierung einen kulturellen Abgesang anzustimmen, müssen wir dennoch nicht erliegen. Das Lamento, dass insbesondere die nahende, einst als „stillste Zeit des Jahres“ konnotierte Vorweihnachtszeit, ins Gegenteil verkehrt wird, ist nicht neu. Dass auch der stationäre Handel im Kampf gegen die wuchtigen Zuwachsraten der Online-Rivalen jede sich bietende Gelegenheit für Umsatzsteigerungen dankbar aufgreift, ist ihm nicht zu verdenken. Eine Ouvertüre zum Weihnachtsgeschäft kommt durchaus gelegen.

Ob mit Erfolg oder nicht, liegt indes in der Hand der Konsumenten. Für all jene, die sich moralisch über die immer dichteren Intervalle derartiger Aktionstage echauffieren, gibt es eine einfache Lösung: Man muss nicht mitmachen. Die Zahlen aus vielen Ländern zeigen freilich, dass wir Konsumenten vielfach durchaus gewillt sind, uns auf derlei Konsumfeste einzulassen. In China wurde vor einigen Jahren beispielsweise der „Single’s Day“ ins Leben gerufen, der nun jährlich am 11. 11. über die Bühne geht. Eigentlich wurde er von Studenten als eine Art „Anti-Valentinstag“ erfunden. Mittlerweile ist er – auch hier von krawalligen Rabattaktionen begleitet – zum größten Onlineshopping-Tag weltweit mutiert. Spannend ist der Umstand, dass die alten Muster aus der verkaufspsychologischen Hausapotheke auch bei uns vermeintlich mündigen Konsumenten noch immer greifen.

Die in Aussicht gestellten Preisnachlässe, die sich vermeintlich nur auf einen kurzen Aktionszeitraum beschränken, haben – auch in der digitalen Welt – wenig von ihrer Sogwirkung eingebüßt. Die Inszenierung des permanenten Warenabverkaufs nimmt auch deshalb zu, weil sie beim Publikum die gewünschte Wirkung entfaltet.

Dabei hat sich am kleinen Einmaleins des Einkaufens nichts geändert. Gerade die schrillsten und lautesten Rabatt-Schlachtgesänge übertönen oft die Tatsache, dass nicht jedes angepriesene Schnäppchen die suggerierten Preisnachlässe bringt. Nüchterne Berechnungen können auch im Konsumrausch hilfreich sein. Das gilt für den Handel, vor allem aber für uns Konsumenten.

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