Trumps AsienreiseEin Geschenk an China

Auf seiner Asienreise ließ US-Präsident Trump es an einer konzisen Politik für diesen für die USA so wichtigen Raum missen. Profiteur seiner Schwäche ist Peking.

 

Zum Abschluss seiner zweiwöchigen Asienreise hat US-Präsident Donald Trump eine Erklärung angekündigt, sobald er zurück im Weißen Haus ist. Trump versprach die Essenz seiner ausgiebigen Tour, auf der ihn Gastgeber mit Pomp und allen Ehren überhäuften, er selbst aber häufig widersprüchlich und zusammenhangslos wirkte. Das eine Mal spie er Gift gegen Nordkoreas Führer Kim Jong-un, dann wollte er Kim als Freund gewinnen. Das andere Mal pries er China für die exzellenten Beziehungen mit den Vereinigten Staaten, dann warf er Peking vor, Amerika auszunutzen.

Kern der Erklärung wird zweifelsohne Trumps überschwängliche Einschätzung sein, wie er in Asien respektiert worden sei. „Den roten Teppich wie ich“, so Trump, „hat wahrscheinlich noch niemand je erhalten.“ Ob Trump auch eine Überraschung zu Nordkorea bereithält, etwa erste formelle Kontakte mit Pjöngjang? Nach den widersprüchlichen Äußerungen ist es auch möglich, dass er das kommunistische Regime wieder in der Liste terrorfördernder Staaten aufnimmt.

Nach drei Staatsbesuchen und zwei führenden Wirtschaftsgipfeln mit Trump als Hauptgast werden die Asiaten aufatmen, dass größere Peinlichkeiten um Äußerungen des US-Präsidenten vermieden werden konnten. Weder brüskierte Trump sie mit seiner gewohnt unverblümten Art noch trat er ins berüchtigte Fettnäpfchen, zumal er ja nicht gerade als gewiefter Diplomat mit Spürsinn für Feinheiten gilt.
Trump bot auch kaum Angriffsflächen für Peinlichkeiten, da er sich auf Handel konzentrierte und Themen wie Menschenrechte oder die Vision von Amerikas Außenpolitik in der Region ausklammerte; einer Region mit zahlreichen US-Verbündeten, die angesichts von Trumps „America First“-Politik nicht länger sicher sind.

Der Mangel an einer klaren Asienpolitik ist ein Geschenk des Himmels für China. Dieses braucht nicht einmal mehr die Transpazifische Partnerschaft TPP zu torpedieren, von der es ausgeschlossen war. Mit dem Austritt Amerikas aus der TPP schuf Trump das Gegenbündnis zu China kurzerhand gleich selbst ab.

Dass Trump den versammelten asiatischen Staatsführern beim Apec-Gipfel in Vietnam dann noch harsche Nullsummenhandelsrhetorik unter die Nasen rieb, als befinde er sich noch immer im Wahlkampf, vollendete das Bild, das Asien-Pazifik-Führer von Amerika heute haben: „America First“ ist Synonym für „America Alone“.

Trumps Asienreise hat Chinas neuen Führungsansprüchen noch Aufwind gegeben. Während Trump den versammelten Führern regelrecht die Handelsleviten verlas, erntete ein Sprecher nach ihm eine stehende Ovation für Worte wie „Zusammenarbeit“ und „Multilateralismus“: Chinas Präsident Xi Jinping. Auch wenn er die Worte nicht gleich in Taten umsetzt: Südkorea, Japan, Australien, überhaupt alle Nationen der Region blicken vermehrt nach Peking.

Kommentare (1)

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CuiBono
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2
Lesenswert?

konzis?

"...an einer konzisen Politik ..."

Ich musste das Wort erst erduden, will das anderen Lesern hier ersparen, daher hier die Definition des Duden:
"kurz, gedrängt".

Die Schlagzeile ist mir deswegen nicht verständlicher geworden.
Das Wort ergibt erst Sinn, wenn man es in der englischsprachigen Bedeutung für "concise" nimmt:
"gedrängt / kurz gefasst / präzis / knapp und präzise / prägnant", wobei mir Letzteres hier im Zusammenhang am besten gefällt.

Man lernt nie aus.

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