Debatte um AirbnbWegregulieren ist kein Ausweg

Schaden digitale Portale zur Vermittlung von Unterkünften wie Airbnb dem Wohnungsmarkt? Warum diese Kritik zwar ernst zu nehmen ist, aber dennoch zu kurz greift.

 

Noch stärker steigende Mietpreise, verschärfte Wohnungsnot in Ballungszentren – und an all dem soll ein digitales Vermittlungsportal für Unterkünfte sein? Dieser Befund greift sicherlich zu kurz. Doch insbesondere das rasante Wachstum des US-Unternehmens Airbnb hat derlei Kritik zuletzt befeuert. Das Prinzip: Privatwohnungen werden – global – an Touristen vermietet, vermittelt über ein ausgeklügeltes digitales Internetportal. Airbnb tritt dabei nur als Vermittler auf und kassiert fixe Provisionen. Das Modell ist eigentlich uralt. Vereinfacht gesagt, wurde das altehrwürdige schwarze Brett kompromisslos ins digitale und globalisierte Zeitalter übertragen. Mit immensem Erfolg.

Von der Gründungsidee, dass hier für kurze Zeiträume ohnehin leer stehende Zimmer vermietet werden – von Privaten an Private –, hat sich das Portal freilich längst entfernt. Die Anbieter sind zunehmend gewerblich, es werden immer seltener Hinter- oder frühere Kinderzimmer vermietet, sondern ganze Apartments und die rechtlichen Rahmenbedingungen sind fatalerweise vielfach unausgegoren. Allein in Wien sollen dem Wohnungsmarkt laut TU-Studie durch Airbnb bereits jetzt 2000 Wohnungen dauerhaft entzogen werden. Tendenz rasant steigend. In Metropolen wie Paris, Dublin, Barcelona oder Amsterdam ist das Ausmaß noch deutlich größer. Keine guten Nachrichten für Ballungsräume, die quer durch Europa ohnehin mit einem knappen Wohnungsangebot, dafür umso rasanter steigenden Preisen zu kämpfen haben. Für eine wachsende Zahl an Immobilieneigentümern rechnet es sich mehr, leer stehende Wohnungen tageweise an Touristen zu vermieten als langfristig an Mieter. Das ist per se noch nicht unanständig.

Verwerflich wird’s aber dann, wenn dafür keine Steuern und Abgaben geleistet werden. Dieser Missstand gehört schleunigst überall behoben. Ähnlich plump wie pauschale Kritik an Airbnb bisweilen ausfällt, kontert auch das Unternehmen selbst auf Studien wie jene der TU. Von der Methodik bis hin zu den Schlussfolgerungen wird kein gutes Haar daran gelassen. Auch das greift zu kurz. Die verdichtete Kritik, wonach sich Airbnb zum Gewerbeportal von Profis wandelt, schadet dem Image – der mitunter trotzige Umgang mit dieser Kritik ebenfalls.

Doch anstatt mit unausgegorenen Regulierungsideen zurückzuschießen, um einen faireren Wettbewerb, etwa mit Hotels, sicherzustellen, sollte man sich dem Thema politisch anders annähern. Denn Airbnb lockt auch völlig neue, junge Touristengruppen in die Städte. Und auch eine verfehlte Wohnbaupolitik, Hauptgrund für die Preisentwicklung, kann man Airbnb schwerlich anlasten.

Eine Taktik des Zuschnitts „Die einen haben’s schwer, daher müssen wir es auch den anderen möglichst schwer machen“ ist kurzsichtig. Die Frage muss lauten, wie man traditionelle Betriebe bürokratisch entlasten kann. Ein Wettlauf um noch mehr Auflagen schadet nicht nur ungeliebten neuen Anbietern – sondern allen.

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