Tradition und Trend
Was haben Theodor Fontane, Carl Spitzweg, Henrik Ibsen und Georg Trakl gemeinsam? Sie waren Apotheker, die sich den Künsten zugewandt haben.

Foto © KKApprobierter Apotheker und poetischer Realist: Theodor Fontane
Eigentlich ist die Herstellung von Arzneimitteln eine Kunst, und noch dazu eine der ältesten. In grauer Vorzeit lag sie in den Händen von Heilkundigen, die "ärztliche" und "apothekerliche" Funktionen in sich vereinten. Aber schon im römischen Reich und im arabischen Kulturkreis des achten Jahrhunderts gab es Ärzte und eigene "Arzneimittelzubereiter".
"Medizinalordnung"
Die erste gesetzliche Grundlage ihres
Berufs erhielten die europäischen
Apotheker von Friedrich II. Der Stauferkaiser
erließ im Jahr 1241 eine
"Medizinalordnung", in der Arzt- und
Apothekerberuf streng voneinander
abgegrenzt wurden: "Der Arzt darf
keine Apotheke betreiben und nicht
mit dem Apotheker zusammenarbeiten",
hieß es darin, "der Apotheker
muss die Medikamente herstellen
und darf sie für einen gerechten Preis
verkaufen".
In den fast 800 Jahren, die seither vergangen sind, haben die Apotheker einen langen Weg vom Kräuterkundigen bis zum wissenschaftlichen Arzneimittelexperten zurückgelegt. Dass sie nicht mit dem Arzt zusammenarbeiten sollen, hat sich mittlerweile auch geändert: Die Angehörigen beider Berufsstände wissen, wie wichtig ihre Kooperation für die Gesundheitsversorgung ist.
"Magistrale Rezeptur"
Wie so vieles ändert sich auch der
Apothekerberuf im Lauf der Zeit.
Ein großer Wandel allein im vergangenen
Jahrhundert wurde durch
die industrielle Fertigung von Arzneimitteln
herbeigeführt, die sich Mitte
der 40er-Jahre durchgesetzt hat. Das
heißt aber nicht, dass in der Apotheke
ausschließlich Fertig-Arzneimittel
abgegeben werden.
Österreich ist bei der individuellen Zubereitung von Arzneimitteln in der Apotheke "magistrale Rezeptur" führend unter den Industrieländern. In Europa wird dieses Service außer in Deutschland oder in der Schweiz kaum mehr geboten. Ein weiterer Wandel ist derzeit voll im Gange: Die Apotheke wird zum Gesundheitszentrum, man kann sich dort individuell, anonym und kostenlos beraten lassen.







