Was Eltern wachrüttelt
Wenn Kinder keine Freude am Lernen haben, dann macht sie irgendetwas in ihrem Umfeld krank. Oft ist es einfach nur die Einstellung ihrer Eltern – sagt die Psychologin Ursula Grohs.

Foto © APA | Roland SchlagerEs gibt keine faulen Kinder - aber Eltern, die vieles Falsch machen - so Kinderpsychologin Grohs
Anna, nennen wir sie in dieser Geschichte einfach so, ist ihren Lehrern schon in der
Volksschule als besonders intelligentes Kind aufgefallen. Man empfahl den Eltern, sie in einem Gymnasium anzumelden. Mutter und Vater, beide aus sehr einfachen Verhältnissen, waren stolz und wollten es ganz besonders gut machen. Sie wählten eine teure
Schule aus, in der es ihrer Tochter auch gleich möglich sein sollte, Anschluss an Kinder aus "besserem Haus" zu finden. Das Resultat: Anna ist jetzt in der dritten Klasse, ihre Noten sind schlecht, sie hat keine Freunde
und ist depressiv.
Unter Dauerstress. "An ihrer Intelligenz liegt es aber sicher nicht", erklärt die Kinderpsychologin Ursula Grohs ihr Fallbeispiel. "Das Kind steht bloß unter Dauerstress, weil die Eltern erwarten, dass es sich mit der Tochter oder dem Sohn des Herrn Doktor Sowieso anfreunden muss." Dadurch wirke Anna so verkrampft, dass sie keinen Anschluss findet, was sie nur noch verkrampfter macht und beim Lernen blockiert.
Nachhilfe für Eltern. Überlegen Sie jetzt gerade, wie man das Kind entspannter machen könnte? Vergessen Sie's. "Anna braucht keine Ratschläge und schon gar keine Therapie. Die Eltern hingegen schon", sagt Grohs. Gesunde Kinder müsse nämlich niemand extra zum Lernen motivieren. "Sie tun's von Natur aus gern. Solange wir ihnen die Neugier nicht nehmen", meint Grohs und sieht sich dabei von den Ergebnissen der modernen
Hirnforschung bestätigt. Gründe, zu lernen "Unser Motivationssystem beruht auf der Ausschüttung von Dopamin, Opioiden und Oxytocin im Körper."
Sympathie und Ermutigung. Angekurbelt werde dieses System, wenn wir Anerkennung von anderen bekommen, erleben, dass wir anderen sympathisch sind und wenn uns jemand ermutigt – also sagt, dass sicher alles gut wird. Auf den Punkt gebracht: In einem Klima der Ermutigung hören Kinder nie auf zu lernen, wenn sie in feinen Dosen auch Anerkennung und Sympathie erleben.
Gelassen werden. Verkrampften und zwanghaften Eltern mit Minderwertigkeitsgefühlen
und Vorurteilen wird es allerdings nicht gelingen, ein derartig gedeihliches Klima für ihre Kind zu schaffen. "Als Eltern eines Kindes, das schlechte Noten nach Hause bringt, stellen Sie sich also zuallererst einmal selbst die Frage: Wo mache ich meinem
Kind unnötig Druck und versuche es in eine Richtung zu drängen, die nicht seine ist?"
Sicherheit hilft. Merke: "Mit Druck und Strafe geht gar nichts“, ist Grohs überzeugt. "Und mit Konkurrenz auch nicht. "Helle Köpfe entwickeln ihr volles Potenzial am besten in der Sicherheit, dass für alle genug da ist. Kampf und Konkurrenzdruck machen unsere Kinder
arbeitsunfähig und depressiv." Für Eltern sei es dabei nie zu spät, umzudenken und die Richtung zu ändern. "Das Kind reagiert automatisch auf jede noch so kleine Veränderung, die es bei Ihnen bemerkt, weil sich dadurch seine Ausgangsbedingungen ändern." Annas Eltern haben mittlerweile erkannt, dass ihr Kind in einem "normalen Gymnasium" besser aufgehoben ist.
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Kinderpsychologin Ursula Grohs
Vorträge
Ursula Grohs bietet interessierten Eltern in Graz, Feldbach und Mitterdorf kostenlose Vorträge zum Thema "Kinder richtig motivieren" an. Details unter Tel. (0 31 6) 89 08 90 oder unter therapie zentrum.co.at

















