Probiotika wirken tatsächlich
Eine Studie klärt den Heil-Mechanismus der Bakterien, die im probiotischen Joghurt zu finden sind.

Foto © www.pixelio.de / kunstart.netDer Kauf von probiotischem Joghurt ist empfehlenswert
Probiotika können tatsächlich
Darmerkrankungen lindern. Das haben Wissenschafter des Braunschweiger
Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung an Kulturen des
Bakterienstamms E. coli Nissle nachgewiesen. Die Bakterien machen
demnach die Darmoberfläche widerstandsfähiger, indem sie den
Zusammenhalt der Epithelzellen stärken.
Probiotika wirken. "Probiotika wirken tatsächlich - nicht nur der Glaube daran",
erklärten die Projektleiterinnen Astrid Westendorf und Sya Ukena. Von
ihrer Studie erhoffen sie sich nun neue Perspektiven bei der Suche
wirksamer Therapien chronischer Darmerkrankungen.
E. coli Nissle lindert Symptome. Die Oberfläche des Darms hat die Aufgabe, Bakterien vom
Körperinneren abzuschotten. Gelangen Mikroorganismen durch das
Darmepithel in den Körper, kann es zu schweren Erkrankungen kommen.
Dies ist etwa bei chronischen Darmentzündungen der Fall. Die
Braunschweiger Wissenschafter zeigten am Tiermodell, dass die
Einnahme von E. coli Nissle die Krankheitssymptome abschwächt.
Proteinbildung. Dazu untersuchten sie Mäuse, die keine natürliche Darmflora
besitzen. Ein Teil dieser Mäuse erhielt mit dem Futter E. coli
Nissle. "Bei diesen Tieren konnten wir nachweisen, dass vermehrt
bestimmte Proteine gebildet werden, die den Zusammenhalt der
Epithelzellen stärken", sagt Ukena. Bei der Vergleichsgruppe sei das
nicht der Fall gewesen.
Dramatische Verbesserung. Dieses erste Ergebnis überprüften die Experten dann an Mäusen, die
an Colitis erkrankt waren: Ihr Darm war chronisch entzündet, sie
litten unter Durchfall, Flüssigkeitsverlust und verloren rasch
Gewicht. "Nachdem diese Mäuse die Probiotika bekamen, verbesserte
sich ihr Zustand dramatisch - der Durchfall ließ nach", berichtet
Ukena. Eine Analyse des Darmgewebes habe auch hier ergeben, dass die
Epithelzellen die Produktion derjenigen Proteine steigerten, die
ihren Zusammenhalt stärkten.
Probiotische Joghurtgetränke schützen. Zuvor hatten englische Wissenschafter nachgewiesen, dass
probiotische Joghurtgetränke vor Durchfall nach der Einnahme von
Antibiotika schützen. In dieser bereits im Sommer veröffentlichten
Studie bekamen mehr als 100 Patienten, die wegen Infektionen mit
Antibiotika behandelt wurden, zwei Mal täglich entweder ein
Joghurtgetränk mit Milchsäurebakterien oder aber ein keimfreies
Milchshake. In der Milchshake-Gruppe bekam jeder dritte Patient
Durchfall, bei den Joghurtkonsumenten dagegen nur jeder achte.
Durchfall, der vom Erreger Clostridium difficile verursacht wurde,
trat in der Milchshake-Gruppe bei 17 Prozent auf. Bei Konsum von
Probiotika hatte kein einziger Patient Probleme mit diesem Keim.
Features
Wissenswert
Probiotische Joghurts ent-
halten lebende Mikroorganis-
men, wie zum Beispiel Lakto-
bazillen und Bifidobakteri-
en. Dabei handelt es sich um Milchsäurebakterien, die die körpereigenen Bakterienpopu-
lationen im menschlichen Darm auffrischen und die Darm-
flora positiv beeinflussen.















