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Zuletzt aktualisiert: 08.10.2007 um 15:50 Uhr

"Ich hatte Angst zu schlafen"

Thema Panikattacken: Wie es ist, wenn die Angst einen einsperrt und lähmt. Eine Betroffene erzählt.

Wenn die Angst unverhofft kommt

Foto © Rolf van Melis / www.pixelio.deWenn die Angst unverhofft kommt

Michaela S. sitzt mitten im Cafe. Was andere einfach nur entspannt, ist für sie eine Leistung. Etwas, das noch vor vier Jahren undenkbar gewesen wäre. Etwas, das einhergegangen wäre mit Gänsehaut, mit Hämmern im Kopf, Zittern, mit dem Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und nur einem Gedanken - weg von hier, sofort! Früher, das bezeichnet jene Phase in ihrem Leben, in der ihr Zimmer ihr Universum war. Lebens- und Leidensraum gleichzeitig. "Und selbst da hab' ich mich schon gefürchtet. Ich hatte sogar Angst, abends einzuschlafen", erzählt die junge Frau. Diagnose: Panikattacken. Verzweiflung. Dazu die Zweifel der anderen. "Die meisten Leute in dieser Zeit haben gemeint, ich will einfach nicht - aber das stimmte nicht, ich konnte nicht." Dann die Kündigung. Wenn sie von früher spricht, von ihren Angstanfällen, wirkt sie ernst, ihre Augen so, als suchten sie einen Anhaltspunkt, etwas, das sie fixieren könnten, das ihnen Halt gäbe.

"Stolz auf mich". Aber wenn das Gestern weit wegrückt, dann verfliegt der Ernst aus Michaelas Gesicht - dann scheint sie die, die sie war, zu vergessen. Dann zählt das Hier und das Jetzt. Wie sie an ihrer Tasse heißer Schokolade nippt, in die Herbstsonne blinzelt, wie sie sich auf ihr Gegenüber konzentriert, zuhört, nickt, antwortet. Jetzt wirkt sie stark und sie lächelt, ja sie lacht. "Manchmal bin ich wirklich stolz auf mich", sagt sie und streicht sich ihre langen blonden Haare aus dem Gesicht. Stolz darauf, wie sie ihrem Leben eine positive Wende gegeben und die Krankheit besiegt hat.

Die Mutprobe. Der lange Weg zurück in ein bisschen Normalität. Krankenhausaufenthalte, Antidepressiva, Gesprächstherapie. Und dann war da Karin Paul, vom Verein "pro humanis". Dort begleiten freiwillige Personen Betroffene mit psychischen Leiden: nach Schizophrenie, Depressionen oder eben Panikattacken. "Wir sind da", erklärt Paul das Prinzip der eineinhalbstündigen Begegnungen. "Und hören zu." Spaziergänge, Konditoreibesuche, Eislaufen, Wandern. "Uns geht es nicht um Therapie, sondern darum, die ganze Aufmerksamkeit für diese Zeit dieser einen Person zu schenken."

Erfolgsrezept. In Michaelas Fall ein Erfolgsrezept. "Die Mutprobe war ein Ball, vergangenes Jahr", erzählt sie. Alles war arrangiert, Freunde sollten sie abholen. "Plötzlich hab' ich gedacht Nein, das schaff' ich jetzt nicht'." Aber: Sie war dort. Es hat ihr gefallen und die Freunde mussten sie drängen, nach Hause zu gehen.

JULIA SCHAFFERHOFER

Panikattacke

Als Panikattacke wird das einzelne plötzliche und in der Regel nur einige Minuten anhaltende Auftreten einer körperlichen und psych-
ischen Alarmreaktion
(fight & flight) ohne objektiven äußeren Anlass bezeichnet. Oft ist den Betroffenen nicht klar, dass ihre Symptome Ausdruck einer Panikreaktion darstellen. Die Reaktionen im Körper werden dadurch als (lebens-) bedrohlich erlebt, was die Panik weiter antreibt.

Symptome

  • Atemnot, Engegefühl in Brust und Kehle
  • Hyperventilation (als Folge Kribbelgefühle in Gesicht und Händen)
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Halluzinationen
  • Angstgedanken ("Das ist ein Herzinfarkt", "Jetzt sterbe ich gleich", "Ich werde verrückt" ...)
  • Derealisations- oder Depersonalisationsgefühle ("Neben sich stehen" oder "Nicht mehr ich selber sein")
  • Man hat Angst, das Haus/die Wohnung zu verlassen, meint immer, es passiere etwas, fühlt sich unsicher.

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