"Keiner weiß, wie hart dieser Job ist"
Immer wieder geraten Pflegeheime ins Visier von Behörden und Medien. Eine Pflegehelferin schildert nun den harten Alltag.

Foto © APADienst am alten Menschen
Niemand erinnert sich an die Musik, die hier gespielt wird. Nur, dass sie einen als Geräuschkulisse überall hin verfolgt, ist gewiss. Als hätte jemand Angst vor der Stille.
Würde und Kompetenz. Gut, solche Empfindungen kann sich Melitta Dockter nicht leisten. So etwas verärgert sie bestenfalls. "Wir wissen alle, was es bedeutet, in ein Pflegeheim zu müssen. Aber die Dinge, die in letzter Zeit in anderen Heimen passiert sind, verunsichern. Es ist der letzte Lebensabschnitt, ja. Aber davor muss man sich nicht fürchten." Es gehe dabei viel um Würde. Und es gehe um Kompetenz. "Doch vor allem geht dieser Job auf die Substanz."
Harte Ausbildung. Die Pflegehelferin im Volkshilfe-Seniorenheim Graz-Wetzelsdorf ist 44 Jahre alt. Nach 18 Jahren Schreibtischarbeit hatte die gelernte Bürokauffrau mit 34 genug. Melitta Dockter beschloss, ihrem Leben eine 180-Grad-Wendung zu geben. "Ich hatte eine harte und mit 80.000 Schilling selbst finanzierte Ausbildung hinter mir, als ich vor sieben Jahren hier als Pflegerin begann." Und das alles nur, "weil ich gerne mit Menschen arbeiten wollte".
Wickeln, waschen, füttern. Man hört das oft: "Mit Menschen arbeiten wollen". Was bedeutet das eigentlich? Hier im ersten Stock des Gebäudes sieht das so aus: "Wickeln, Umdrehen, Anziehen, Waschen, Füttern." Sie öffnet die Tür eines Zimmers, grüßt, erkundigt sich nach dem Befinden. Lächeln und Nicken, erhält sie als Antwort. In ihrer Etage befinden sich ausschließlich Menschen, die Pflegegeld der Stufe VI und VII beziehen. "Das sind alles sehr schwere Fälle", gibt sie zu.

















