Posttraumatische Ängste mit Medikamenten behandelbar
Versuche an Mäusen wurden erfolgreich abgeschlossen.

Foto © APABelastungsstörungen können medikamentös geheilt werden
Belastungsstörungen nach
traumatischen Erlebnissen wollen Göttinger Forscher bald mit
Medikamenten heilen. Versuche an Mäusen seien bereits erfolgreich
verlaufen, berichtete das European Neuroscience Institute in
Göttingen (ENI-G) am Mittwoch. Es stellt die Arbeit zusammen mit
Kollegen aus Chicago und Boston (USA) in der US-Zeitschrift "Nature
Neuroscience" (online veröffentlicht) vor.
Protein "brennt" Trauma ein. Demnach aktivieren angstauslösende Erlebnisse ein spezielles
Protein im Hippocampus, dem Teil des Gehirns, der Erinnerungen
speichert. Das Trauma werde durch das Protein namens Cdk5 ins Gehirn
"eingebrannt". Bei Mäusen gelang es, mit diversen neuen Wirkstoffen
das Protein zu deaktivieren. Daraufhin verschwand nach Angaben der
Forscher die Angst.
Panikattacken. Traumatische Erlebnisse können sich nach den Worten des
ENI-Neuropathologen Andre Fischer so sehr in das Gehirn "einbrennen",
dass die Betroffenen auch in harmlosen Situationen Panikattacken
bekommen. Oft kämen diese Attacken wie von selbst, ohne dass die
Patienten wüssten, warum.
Bisher nur Psychotherapie. Posttraumatische Störungen und Phobien wie Spinnenangst oder
Höhenangst seien bisher nur durch Psychotherapien behandelt worden,
sagte Fischer. Durch scheinbare oder reale Konfrontationen mit der
angstauslösenden Situation solle das Gehirn "umprogrammiert" werden.
Um Patienten von der Harmlosigkeit der Angst auslösenden Situationen
zu überzeugen, seien oft viele psychotherapeutische Sitzungen
erforderlich.
Protein unterdrücken. Ein anderer Weg könnte es sein, das für das "Einbrennen" der Angst
im Gehirn verantwortliche Protein zu unterdrücken. Es seien bereits
mehrere Wirkstoffe bekannt, die auf die verschiedenen Komponenten des
Cdk5-Signalweges einwirkten, erklärte Fischer. "Bis die besten dieser
Wirkstoffe in Versuchen mit Mäusen identifiziert sind und für die
Therapie posttraumatischer Belastungsstörungen am Menschen getestet
werden können, vergehen allerdings noch mehrere Jahre."

















