Neue Waffen gegen Krebs
Neue Erkenntnisse in der Krebsforschung erhöhen die Heilungschancen.
Foto © www.pixelio.deDen Domino-Effekt beim Krebs unterbrechen
Es erinnert an kippende Dominosteine: Auf eine Tumorzelle wirkt eine Vielzahl von Wachstumsfaktoren, die in den letzten Jahren immer genauer ausgemacht und erforscht wurden. Diese Faktoren lösen in der Zelle eine Vielzahl von Reaktionen aus - wie beim Domino-Prinzip. Ein Stein bringt den anderen zum Fallen.
Domino-Effekt bekämpfen. Genau hier greifen die neuen Antikörper ein, versuchen den Domino-Effekt zu unterbrechen und das Wachstum der Tumorzelle zu hemmen. "Zielgerichtete Therapien" nennen sich diese neuen Behandlungsformen, weil man immer genauer einzelne, sehr spezifische Krebsarten so bekämpfen kann.
100 Präparate. Mehr als 100 Präparate haben die Forscher im Köcher. "Aktuell ist bereits eine Handvoll im täglichen Kampf gegen den Krebs im Einsatz", erläutert Hellmut Samonigg, Vizerektor der Medizinischen Universität Graz, der an diesem Wochenende bei einem der weltgrößten Krebskongresse in Chicago zu Gast sein wird. "Wir müssen uns aber auch darüber im Klaren sein: Diese Mittel können heftige Nebenwirkungen haben und gehören daher unbedingt in die Hände von Spezialisten."
Diffizil. Wie diffizil das Zusammenwirken einzelner Therapien ist, zeigt das Brustkrebsmittel Herceptin: Es bewirkt in Verbindung mit einer Chemotherapie etwa die Halbierung des Rückfallsrisikos - aber nur bei 20 Prozent der Patientinnen. Ein neues Mittel (Lapatinib) soll jetzt zusätzlich gegen das metastasierende Mammakarzinom helfen. In den USA wurde es bereits zugelassen, dort hat man es in Studien auch erfolgreich im Kampf gegen Lungen- und Magenkrebs getestet. Die Forscher arbeiten fieberhaft weiter...
Kein Durchbruch. Für Samonigg sind diese Mittel jedoch kein Durchbruch in der Behandlung. "Dieses Wort passt nicht in die Krebsforschung, die Krebszellen sind einfach zu wendig, ihr Organismus ist noch zu komplex für uns." Trotzdem gibt es eine Reihe von Präparaten, die schon jetzt entscheidende Fortschritte in der Krebsbehandlung bringen. Sutent ist etwa einer jener Antikörper, die gegen das Nierenkarzinom helfen können. Auch beim Lungenkarzinom gibt es jetzt erstmals eine Antikörpertherapie, beim Darmkrebs (Avastin und Antikörper Erbitux) gibt es heute ebenfalls Hilfe.
Verkleinerung der Metastasen. Die Metastasen können mit den neuen Mitteln verkleinert werden - und nach ihrer chirurgischen Entfernung hat der Patient heute bessere Chancen als noch vor wenigen Jahren. "Bei Prostata- und Nierenkrebs haben wir endlich auch einen Hoffnungsschimmer", so Samonigg. Der nächste Schritt? Mit speziellen Präparaten den Krebs an zentraler Stelle einzudämmen - das wäre zumindest ein weiterer kleiner Durchbruch.
Features
Natur gegen Krebs
Die Geschichten mit Natur-
heilmittel, die helfen, tauchen immer wieder auf - aber auch dem Krebsspezialisten Hellmut Samonigg ist vom Haifisch-
extrakt bis zum Algenmittel kein Präparat in die Hände gekommen, das geholfen hätte. Allein Taxol, ein Stoff aus der Rinde eines Baumes, hat sich in den Taxanen (gegen Brust-, HNO- und Lungenkrebs) als hochwirk-
sam erwiesen.

















