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Zuletzt aktualisiert: 20.04.2007 um 16:22 Uhr

Wenn die Gedanken ständig abzuschweifen versuchen

Psychologen erforschen dieses alltägliche Phänomen und stellen fest, dass ein großer Teil des täglichen Lebens per Autopilot abläuft.

Das Phänomen ist so alltäglich, dass es über Jahrzehnte keine Beachtung fand. Erst in jüngster Zeit beschäftigen sich Wissenschafter mit abschweifenden Gedanken. Erkenntnisse zu dem Thema könnten es eines Tages Schülern und Studenten erleichtern, sich auf Lehrbücher und Vorlesungen besser zu konzentrieren. Autofahrer könnten es leichter haben, auf den Verkehr zu achten. Auch Menschen mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) könnten davon profitieren. Denn bei ihnen führt die Unfähigkeit, sich zu konzentrieren, zu Problemen in vielen Lebensbereichen.

Abschweifende Gedanken. Grundsätzlich sind abschweifende Gedanken nach Ansicht von Forschern ein viel zu gängiges Phänomen, als dass man es ignorieren könne. Dies belegt auch eine Studie der Universität von North Carolina in Greensboro. Dort untersuchte der Psychologe Michael Kane eine Woche lang acht Mal täglich, woran Studenten gerade dachten. Resultat: Fast ein Drittel der Zeit waren die Teilnehmer gedanklich nicht bei den Tätigkeiten, die sie gerade verrichteten. Dabei waren die individuellen Unterschiede gravierend: Manche Studenten waren 80 bis 90 Prozent der Zeit geistig abwesend. Nur einer der insgesamt 126 Personen gab an, stets bei der Sache gewesen zu sein.

30 bis 40 Prozent der Zeit abwesend. Auch frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen im Alltag etwa 30 bis 40 Prozent ihrer Zeit gedanklich abschweifen. "Wenn man das mentale Leben der Menschen verstehen will, sollte man über dieses Phänomen nachdenken", sagt Kane.

Nicht immer unproblematisch. Oft sind abschweifende Gedanken harmlos. Man kann etwa über ein Problem brüten, während man ein Käsebrot kaut. Aber manchmal entfernt sich die Aufmerksamkeit auch von Dingen, auf die man unbedingt achten sollte, und das kann tragische Konsequenzen haben: Etwa im Fall jenes College-Lehrers, der an einem heißen August-Tag im kalifornischen Irvine mit dem Auto zur Arbeit fuhrt, parkte und in sein Büro ging. Woran er auch immer dachte, er vergaß völlig, dass er seinen zehn Monate alten Sohn auf dem Rücksitz gelassen hatte. Das Kind starb in der Hitze. Solche Fälle kommen häufiger vor.


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