Krebs wird zum Killer Nr. 1
Der Wettlauf zwischen der Medizin und einem weltweit immer größer werdenden Problem, Krebs, geht in eine heiße Phase. 2020 soll es zehn Millionen Krebstote geben.

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"Krebs ist ein globales Problem. Diese Erkrankung wird laut den Vorhersagen der WHO der Killer Nr. 1 werden." - Dies erklärte am Freitag Martine Piccart, die Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO), aus Anlass der Eröffnung des Kongresses der Organisation mit rund 16.000 Teilnehmern in Wien (bis 2. Oktober).
Personalisierte Krebsmedizin im Trend
Zwar gebe es enormes Potenzial durch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, doch man stehe speziell beim aktuellsten Trend - der personalisierten Krebsmedizin - erst am Anfang, sagte die Expertin. Bei dem Kongress werden in weit mehr als 200 Stunden an Sitzungen und Präsentationen mehr als 2.000 Studien vorgestellt und diskutiert.
Martine Piccart: "Die Vorhersagen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für das Jahr 2020 lauten auf zehn Millionen Krebstote. (...) Es gibt eine noch nie dagewesene Möglichkeit, schnellere Fortschritte in der Verhütung, Diagnose und in der Behandlung von Krebs zu machen. (...) Wir sind aber noch nicht in der wirklich personalisierten Medizin angekommen. Wir sind noch in der 'stratifizierten Medizin' (nach nur roh charakterisierten Patientengruppen, Anm.). Wir bekommen das nicht binnen 'zwei Tagen', die Entwicklung wird noch eine Dekade dauern."
Trotzdem, die Anfänge und die sich immer rasanter entwickelnde personalisierte Medizin, bei der Diagnose und Therapie von Krebs auf der Basis möglichst individueller, molekularbiologischer Charakteristika beim einzelnen Patienten erfolgt, sind das überragende Thema des Kongresses.
Einige der Highlights, bei denen Studiendaten erwartet werden
- Beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC; 85 Prozent der Lungenkarzinomfälle) soll das zielgerichtete Therapeutikum Crizotinib bei rund zehn Prozent der Patienten (sie kann man ziemlich exakt nach im Tumor vorhandenen Genmutationen identifizieren) eine deutliche Verbesserung der Therapie bringen. Ähnliches erwartet man sich von der Substanz Pazopanib bei Nierenkarzinom.
- Eine groß angelegte französische Studie soll die optimale Dauer einer Therapie von Brustkrebspatientinnen mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab zeigen. Hier gibt es bisher Strategien mit ein bis zwei Jahren Behandlung. Ist das nur kürzer notwendig, würde das eine deutliche Kostenersparnis bedeuten.
- Bei der relativ seltenen Sarkom-Erkrankung dürfte eine Studie zeigen, dass man auch mit einer weniger aggressiven Behandlung vergleichsweise gute Effekte erzielen kann.
- Erstmals Daten zur möglichen Verlängerung der Überlebenszeit schwerstkranker Brustkrebspatientinnen wird es für eine an Antikörper gekoppeltes Chemotherapeutikum geben, das in vorangegangenen Studien bereits vielversprechend war.
- Nach 20 Jahren Fehlschlägen deuten erst Anzeichen darauf hin, dass Immuntherapien, zusätzlich zu anderen Medikamenten, einen Beitrag zu körpereigenen Abwehr bösartiger Zellen leisten könnten.
Kritik, wonach die moderne Krebsmedizin "teuer" wäre, weisen die Experten zurück. Der italienische Onkologe Fortunato Ciardiello: "Wenn wir einen Weg finden, der jeweils richtigen Person die optimale Therapie zu geben, dann ist das auch kosteneffektiv." Niemand würde heute mehr fragen, ob die Insulintherapie für Diabetiker nicht zu teuer wäre.
Krebs kostet die EU-Länder jährlich 117 Mrd. Euro
Die wichtigste Maßnahme gegen Krebs wäre die Verhütung der Erkrankung: Krebs kostet die 27 EU-Staaten auf der Basis der Daten von 2009 jährlich rund 117 Milliarden Euro. Die Medizin macht dabei nur einen Teil aus, erklärte Ramon Luengo-Fernandez vom Zentrum für Gesundheitsökonomie der Universität Oxford.
Die Wissenschafter analysierten die Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der EU sowie nationale Daten aus den 27 Mitgliedsländern. Das Hauptergebnis, das bei dem Kongress mit rund 17.000 Teilnehmern präsentiert wurde: ?Bösartige Erkrankungen sind die zweithäufigste Todesursache nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Europa und haben eine signifikante Auswirkung auf die Gesundheitssysteme in der EU.“
Was die Fachleute um Luengo-Fernandez erhoben
- Die Gesamtkosten, welche Krebs jährlich verursacht, liegen bei um die 117 Milliarden Euro. Das sind 234 Euro pro EU-Bürger und Jahr.
- Nur 36 Prozent der Gesamtkosten (84 Euro pro EU-Bürger und Jahr) müssen für die medizinische Versorgung der Krebspatienten aufgewendet werden. Das sind pro Jahr 58 Millionen Spitalstage.
- Der Anteil der Kosten durch frühere Sterblichkeit liegt bei 36 Prozent, jener durch die Krankheitsfolgen (Krankenstand etc.) bei acht Prozent.
- 20 Prozent der Aufwendungen erfolgen im Rahmen der Pflege von Patienten durch die Angehörigen und ist unbezahlt.
- Deutschland allein hat einen Anteil von 26 Prozent bei den Gesamtkosten durch Krebs.
- Lungenkarzinome (16 Prozent) verursachen die größten Aufwendungen, dann folgen Brustkrebs (elf Prozent) und Prostatakrebs (fünf Prozent).
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Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) gibt noch bis 2. Oktober 2012 einen Kongress in Wien. Rund 16.000 Teilnehmer sind dabei.


















