Altes Wissen gegen neue Volksleiden
Die Wissenschaft zeigt, wie traditionelle Heilmittel helfen können. Aber auch für natürliche Arzneien gilt: Die Dosis macht das Gift, und daher kann es auch bei pflanzlichen Mitteln Nebenwirkungen geben.

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Wen können Sie denn heutzutage noch fragen, wenn es um die Wirkung von althergebrachten Heilpflanzen geht?" Eine gute Frage, die Rudolf Bauer stellt, denn das Wissen um traditionelle Heilmittel aus der Natur ist im Aussterben begriffen - allein schon deshalb, weil dieses Wissen meist nur mündlich weitergegeben wird. Gegen dieses Vergessen tritt Rudolf Bauer, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften der Uni Graz, an. Seit Sonntag sind 415 Wissenschaftler aus 62 Ländern zum Kongress in Graz zu Besuch.
"Unsere Aufgabe ist, die Wirkung der pflanzlichen Mittel wissenschaftlich zu untersuchen", erklärt Bauer das Forschungsfeld Ethnopharmakologie. Die Akzeptanz pflanzlicher Arzneien sei gerade in den Industrieländern steigend, wie Studien zeigen - es braucht aber den Beweis für die Wirksamkeit. Das zweite Ziel der Forschung an traditionellen Heilmitteln: neue Wirkstoffe zu finden, die wiederum für synthetische Medikamente verwendet werden können. "Resistenzen sind ein immer größer werdendes Problem", erklärt Bauer, "daher brauchen wir immer neue Wirkstoffe." Neue Anwendungsgebiete alter Heilmittel sind daher das große Thema des Kongresses in Graz.
Aber auch für natürliche Arzneien gilt: Die Dosis macht das Gift, und daher kann es auch bei pflanzlichen Mitteln Nebenwirkungen geben. Die richtige Beratung - durch den ausgebildeten Arzt und Apotheker - ist daher besonders wichtig, wobei die Frage, ob Schulmedizin oder pflanzliche Heilmittel, kein Entweder-oder sein darf: "Wichtig ist, das Beste für den Patienten zu finden", sagt Bauer (siehe Grafik rechts).
So wirken Pflanzen: Neue Erkenntnisse
Himatanthus succuba
Die Wirkungsweise dieser Amazonaspflanze wurde von österreichischen Forschern entdeckt. Der enthaltene Stoff Plumericin kann bei Rheuma und Arteriosklerose ("Gefäßverkalkung") eingesetzt werden.
Anarcardium occidentale:
Die Blätter des Kaschubaumes, auf dem Cashewkerne wachsen, werden gerade auf ihre Wirksamkeit in der Behandlung von Diabetes II hin erforscht. In einigen tropischen Ländern wird der Extrakt aus den Blättern bei Diabetes angewendet.
Tulsi (indisches Basilikum)
Das indische Basilikum (Ocimum sanctum) ist in Indien ein heiliges Gewürz und wirkt nachweislich gegen Stress. Nun erforscht man seine Wirkung bei Alzheimer.
Resveratrol
Der Stoff ist nicht nur im Rotwein enthalten, man fand Resveratrol auch in anderen Pflanzen, den Knöterichgewächsen. Resveratrol ist ein präventiver Stoff, der antioxidativ und entzündungshemmend wirkt und vor Arteriosklerose schützen kann.
Hopfen
Im Hopfen sind sogenannte Phyto-Östrogene enthalten, also Stoffe, die wie Östrogen wirken und so Wechselbeschwerden bei Frauen lindern können.
Knoblauch
Zwiebel und Knoblauch, die ursprünglich aus Zentralasien stammen, können eine positive Wirkung auf den Fettstoffwechsel haben. Diese wird gerade erforscht.
Johanniskraut
Johanniskraut ist ein natürliches Antidepressivum. Es kann bei leichten Depressionen helfen. In leichten Fällen ist die Wirksamkeit vergleichbar mit synthetischenAntidepressiva. Es ist jedoch besser verträglich.
Features
TRADITIONELLE HEILMITTEL
60 bis 80 Prozent aller Menschen weltweit vertrauen auf traditionelle Medizin. Gerade in den Industrieländern wird die Akzeptanz althergebrachter Heilmittel immer größer.
Die Aufgabe der Wissenschaft: Wissen erhalten und die Wirksamkeit der Pflanzen beweisen. Von 2. bis 6. September versammelt ein Kongress 415 Wissenschaftler zum Thema Ethnopharmakologie in Graz. Man erhofft sich neue Wirkstoffe für die Therapie von Rheuma, Diabetes oder Alzheimer.


















