Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
26. Mai 2013 04:23 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
 
Zu viel Gewicht: Voller Selbstbehalt fällig Nichtraucher nicht ausreichend geschützt Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Wellness & Gesundheit Nächster Artikel Zu viel Gewicht: Voller Selbstbehalt fällig Nichtraucher nicht ausreichend geschützt
Zuletzt aktualisiert: 10.08.2012 um 23:02 UhrKommentare

Kampf um die Organe

Mehr als 1000 Menschen warten in Österreich auf eine Organspende. Die Organ-Mafia verdient am Geschäft mit der Verzweiflung Millionen.

Foto © Reuters

Die Schockwellen des Skandals erreichen ganz Europa: In Deutschland (Göttingen, Verdachtsfälle in Regensburg) soll ein Transplantationsmediziner Blutproben manipuliert haben, um seinen Patienten schneller eine Leber verpflanzen zu können. Die Hintergründe sind noch unklar: Wurde der Mediziner - es werden Komplizen vermutet - bestochen? Ging es um einen finanziellen Gewinn der Klinik? Oder wollte er schneller helfen? Diese Fragen müssen die deutschen Gerichte klären.

Aber: Kann so etwas auch in Österreich passieren? "30 bis 50 Prozent jener Menschen, die auf Organtransplantationen warten, sterben", erklärt Karlheinz Tscheliessnigg, Vorstand der Transplantationsabteilung an der Uniklinik Graz. "Und das passiert, weil wir zu wenig Organe haben. Wir operieren nur die dringlichsten Fälle."

Damit es zu keinen Unregelmäßigkeiten kommt, gibt es die europaweit genormte Plattform Eurotransplant, die die Vergabe der Spenderorgane verwaltet: In zwei Wartelisten - eine "normale" und eine mit dem Vermerk "Hohe Dringlichkeit" - sind die Patienten, die auf eine Organtransplantation warten, erfasst. Der zuständige Facharzt und der Transplantations-Chirurg nehmen aufgrund gesundheitlicher Parameter die Einschätzung vor, wann eine Transplantation überlebensnotwendig ist.

185.950 Euro...

... kostet bei einem US-Organ- Broker ein Herz oder eine Leber. Dabei handelt es sich um ein All-inclusive-Paket, Reisekosten sind enthalten. In den Untiefen des Internets wurde die Lunge eines China-Häftlings angeboten. Preis: 130.000 Euro

Aber: Die Eurotransplant-Kontrollen dieser Entscheidungen erfolgen nur stichprobenartig. "Es gibt auch keine Sanktionen! Wenn eine Einschätzung nicht passt, werden nur Drohbriefe geschrieben", so Tscheliessnigg. "Und letztendlich ist der Arzt der

Vertreter seines Patienten. Er muss schauen, dass er überlebt. In der Mangelverwaltung, mit der wir arbeiten müssen, weil es zu wenig Organe gibt, kann man ein Fehlverhalten nie ausschließen", sagt er und blickt auf Deutschland. "Es ist schon sonderbar, dass dort laut gemeldeter Krankheitsparameter ausgerechnet jene Patienten liegen, denen es am schlechtesten geht. Vielleicht schätzen die Ärzte die Lage dort schlechter ein, als sie ist."

Damit würden sie auch schneller zu Transplantationsorganen kommen. Fakt ist: Nach dem Skandal in Göttingen stehen laut "Spiegel" plötzlich nur noch 66 statt 140 Patienten auf der Göttinger Eurotransplantliste.

Mehraugenprinzip

Dass es in Österreich zu Unregelmäßigkeiten kommt, glaubt Tscheliessnigg nicht. "Bei uns gilt das Mehraugenprinzip. Facharzt, Transplantationsmediziner und Anästhesist entscheiden. Alleingänge gibt es nicht. Es werden auch keine Ärzteprämien gezahlt. Und wir übernehmen nur Organe von Eurotransplant, deren Herkunft dokumentiert ist." Auch vom Gesundheitsministerium heißt es, dass das System in Deutschland nicht mit dem österreichischen vergleichbar sei. "Bei uns ist jeder Spender, der nicht widerspricht, während man in Deutschland aktiv einwilligen muss", so der Sprecher von Minister Alois Stöger. Daher gebe es in Österreich eine bessere Versorgungssituation.

Und Tscheliessnigg versichert: Jede Organtransplantation wird in Österreich mit Eurotransplant abgesprochen. Es gebe keine Alleingänge der Transplantationskliniken, wie sie in Deutschland angeprangert wurden. Jedes vierte Herz soll dort schon an den Wartelisten vorbei vergeben worden sein, berichtete die "Frankfurter Rundschau". Auch von der österreichischen Gesellschaft für Transplantation, Austrotransplant, heißt es: "Kein Arzt in Österreich war je in einen Fall von Organhandel involviert."

Immer mehr Menschen in aller Welt warten auf Organe. Die Leidensgeschichten sind furchtbar, die Folgen auch: Durch internationale Kriminalität ist ein Schwarzmarkt für Organhandel entstanden. Manche machen's völlig offen: Jim Cohan aus Los Angeles offeriert auf seiner Homepage Herz-, Leber-, Lungen- oder Nierentransplantationen. Kosten: 115.000 bis 225.000 Dollar (95.041 bis 185.950 Euro).

Gesundheit erkaufen

Nach der Bezahlung eines "Startgeldes" beginnt die Suche nach dem Spender. Cohan verbrachte laut "Forbes" Monate in einem italienischen Gefängnis. Der Grund: Ermittlungen wegen illegalem Organhandel. Ob er tatsächlich mit Partnerkliniken - in Singapur, Mexiko oder auf den Philippinen - die Organe beschaffen kann, bleibt offen. Sicher ist: Der internationale Organhandel ist zum Fleischmarkt geworden, auf dem sich Reiche die Gesundheit von Kranken erkaufen. Organmakler vertreiben weltweit ihre Geschäftsmodelle als Reisebüros der Transplantationsmedizin.

Die Organe beschaffen sie von den Ärmsten: Pakistan wurde als internationale Drehscheibe für Nierenentnahmen bezeichnet. Kriminelle Netzwerke arbeiten aber auch in Ländern wie dem Kosovo, der Ukraine, in Rumänien oder Moldau und verteilen die Organe auf internationale Kliniken, die heimlich die Organe einsetzen.

82.000 Euro für die Niere

Schlagzeilen machte zuletzt der Fall einer russischen Emigrantin: Sie verkaufte ihre Niere für 8100 Euro. Ein todkranker Deutscher kaufte sie laut dem Magazin "Spiegel" um 81.892,72 Euro. Der Fall zeige laut "Spiegel" auf, wie "tief Deutsche in die Geschäfte der internationalen Organschieber verstrickt sind".

DIDI HUBMANN, SONJA SAURUGGER

81.892 Euro...

... bezahlte ein Deutscher für die Niere einer russischen Emigrantin. Sie erhielt 8100 Euro. In Indien oder Bangladesch bekommen Spender für ihre Nieren gerade einmal 750 Euro. Danach leiden sie oft an schweren gesundheitlichen Problemen, da die Nachsorge fehlt.

Buchtipps

Neues zu Gesundheit

Fotolia: PhotoSG
 


Pollen im Anflug

Fotolia: doris oberfrank-list


Thermen-Genuss

 

KLEINE.tv

Fit in den Sommer: Neues in Graz

3 - 2 - 1 und ran an den Winterspeck! Der Sommer steht vor der Tür und e...Bewertet mit 5 Sternen

 

Gesundheits-Newsletter

Tipps für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden!

 

Übergewicht?

Pixelio/chocolat01

Vorträge, Seminare, Termine

 


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang