Diät: Nur einfache Tipps wirken
Diäten boomen - bis hin zu denkbar abstrusesten Ratschlägen. Doch in der Realität sind nur einfache Empfehlungen breit umsetzbar.

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Doch in der Realität sind nur einfache Empfehlungen breit umsetzbar. Dies erklärte am Montag bei den österreichischen Ärztetagen in Grado in Italien (bis 9. Juni) Ingrid Kiefer, Expertin von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): "Wir haben eine gewaltige Diskrepanz zwischen Ist und Soll."
Was viele Empfehlungen für eine gesündere Ernährung einfach unwirksam macht, ist laut Ingrid Kiefer zunächst einmal ihre mangelnde Umsetzbarkeit in der täglichen Praxis der Konsumenten: "Empfehlungen wie ein Anteil von mit Fetten zugeführter Energieanteil von 15 bis 30 Prozent sind nicht nachvollziehbar und machbar."
Empfehlungen
Damit sind die ehemals so populären geforderten Anteile von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen an der Ernährung obsolet. Die Expertin: "Man geht immer mehr weg von nährstoffbasierten Empfehlungen und immer mehr zu nahrungsmittelbasierten Empfehlungen." Doch auch hier liegt die Crux im Detail. Die Expertin: "Die Regel 'Fünf Mal täglich Obst und Gemüse' hat alle abgeschreckt." - Einfach, weil der einzelne Konsument instinktiv gedacht hätte: "Das schaffe ich nie." Was dazu gehöre: Man müsse unbedingt auch die Mengen für die einzelnen Nahrungsmittel anführen: zwei Erdäpfel als eine Portion oder zwei Handvoll gekochter Reis als eine solche Portion - das mache solche Leitlinien für den Einzelnen durchschau- und realisierbar.
Für Österreich hat - so Ingrid Kiefer - der Ernährungsbericht 2008 jedenfalls gezeigt, dass die Bevölkerung eindeutig zu viel Fett, Cholesterin, zu viele Kalorien insgesamt sowie massiv zu viel Salz zu sich nehme. Nicht alles davon ist von den Konsumenten selbst entscheidend zu beeinflussen. Die Expertin: "Bei der Salzreduktion hängt man sehr von den Lebensmittelherstellern ab." Nahrungsmittelindustrie, Bäcker etc. müssten hier ins Boot geholt werden. Mit dem zunehmenden Konsum von Halbfertig- und Fertigprodukten steige die Salzbelastung mit der Ernährung. Hier könnte auch eine schrittweise Reduktion von Salz in den Produkten helfen, um über eine langsame Anpassung die Menschen an salzreduzierte Nahrungsmittel zu gewöhnen.
Vorbei ist in Österreich das "Pyramidenspiel" von - je nach Autoren bzw. Gremien - unterschiedlich ausgestalteten "Ernährungspyramiden". Ob da jetzt Teller oder Pyramiden oder andere Darstellungen gewählt würden, auf die Einheitlichkeit der Empfehlungen kommt es an. Woran es noch hapert: Es gibt kaum wissenschaftlich fundierte Evaluierungen, was in der Bevölkerung breit propagierte Empfehlungen für eine gesunde bzw. gesündere Ernährung wirklich bringen - ob sich auch real etwas ändert.


















