Wie sicher sind Studien?
Hitzige Diskussionen über Patientenstudien: Ein hochkarätiges Expertenteam beantwortet wichtige Leserfragen zum Thema.

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Der Fall einer von Ärzten gefälschten Medikamentenstudie - die Kleine Zeitung berichtete - hat enorme Reaktionen ausgelöst. Eine hochkarätige Forscherrunde - MedUni-Rektor Josef Smolle, Krebsspezialist Hellmut Samonigg, Diabetes-Experte Thomas Pieber und Kinderonkologe Martin Benesch - klärt auf:
Brauchen wir Studien?
"Wir kommen aus der Falle der klinischen Studien nicht heraus. Vorher vermuten wir, ob ein Medikament wirkt, nach der Studie wissen wir es", erklärt Pieber.
Welche medizinischen Erfolge gibt es?
Nur ein paar Beispiele: Leukämie sei heute in 80 Prozent der Fälle heilbar, weil man über Studien die beste Behandlungsmethode erforsche, erklärt Smolle. Magengeschwüre wurden noch vor 20, 30 Jahren mit großen Operationen behandelt, heute reiche meistens eine einwöchige Tablettentherapie. Auch in Brustkrebstherapien wurden entscheidende Fortschritte über Studien erzielt.
Warum führt man Studien am Menschen durch?
Weil es nie klar ist, ob Medikamente, die im Tier-/Laborversuch gut wirken, auch beim Menschen ansprechen
Sind Patienten Versuchskaninchen?
Die Experten verneinen. Es gehe darum zu erklären, dass Studienteilnehmer etwas dafür tun, dass die nächste Generation besser behandelt wird. Laut Samonigg gebe es Hinweise, dass Patienten in Studien einen besseren Heilungsverlauf hätten, weil sie intensiver betreut würden.
Wie funktionieren Studien?
Jeder Patient wird vorab aufgeklärt und nur mit seiner Zustimmung in die Studie aufgenommen. Eine Patientengruppe erhält die bestmögliche Standardtherapie; die andere bekommt das neue Präparat. Beide Patientengruppen wissen jedoch nicht, welche der beiden Therapien sie erhalten. Nur so können Unterschiede ausgemacht werden. Spricht das neue Medikament extrem gut an, kann die Studie abgebrochen werden, um allen das neue Präparat zu geben.
Wie sicher sind Studien?
Es gibt ein ausgeklügeltes Überwachungssystem, die internationalen Zulassungsbehörden machen Stichproben: Werden Fehler, Verstöße gegen Richtlinien etc. entdeckt, hat das schwerwiegende Folgen. Studien erfolgen heute in internationalen Netzwerken.
Werden Studien nur aus finanziellen Gründen gemacht?
Die Industrie investiert an der MedUni 3,5 Millionen Euro jährlich. Damit wird der Aufwand abgegolten (1500 bis 3000 Euro pro Patient). Prämien für ärztlichen Mehraufwand machen laut Smolle "ein paar Tausend Euro insgesamt" von den 3,5 Millionen aus. Außerdem spare das Gesundheitssystem, weil die Industrie Aufwand, Untersuchungen und Medikamente zahle.

















