"Zu hoher Angstfaktor im Schulsystem"

Foto © HOFFMANN Josef Zollneritsch, steirischer Schul- psychologe
Welche Ängste stehen beim Thema Schule im Vordergrund?
JOSEF ZOLLNERITSCH: Die Angst vor dem Versagen, vor allem im Zusammenhang mit schriftlichen oder mündlichen Prüfungen. Generell ist der Angstfaktor im Schulsystem zu hoch. Ängste haben viel mit dem Typus eines Schülers zu tun. Da gibt es etwa einen Perfektionsanspruch. Der ist bei Mädchen höher, sie sind viel öfter nicht zufrieden mit ihren Leistungen als Buben. Es gibt natürlich auch die Angst vor einzelnen Lehrern. Außerdem eine generelle Angst, in die Schule zu gehen, aber das sind Einzelfälle.
Bei welchen Schülern treten verstärkt Ängste auf?
ZOLLNERITSCH: Vor allem bei jenen, die ein geringes Selbstwertgefühl haben. Wenn es zuvor schon Misserfolge gegeben hat, wird das noch verstärkt.
Werden die Ängste oft auch durch Eltern verstärkt?
ZOLLNERITSCH: Schulangst ist häufig auch Elternangst. Wenn Eltern sehr angespannt sind und gute Noten sehr wichtig nehmen, erzeugt das im Kind Druck. Das kann zu Angstphänomenen führen.
Warum sind Mädchen öfter von Ängsten betroffen als Buben?
ZOLLNERITSCH: Mädchen neigen insgesamt zu mehr Stressgefühlen, sie sind tendenziell mehr belastet als Buben. Dies ist aber reziprok weniger sichtbar, da sich die Verarbeitung bei Mädchen oft gegen sich selbst richtet, sie mehr in sich gehen. Mädchen neigen auch stärker zur Anpassung. Das kann zu einer Vielzahl von nicht erkennbaren Angststörungen führen. Essstörungen zum Beispiel sind ein ganz wesentlicher weiblicher Ausdruck von Schwierigkeiten.

















