Telemedizin auf dem langsamen Vormarsch
In den Startlöchern steht sie seit langem, auf dem Vormarsch ist sie allerdings in Österreich eher langsam: die Telemedizin. In der Kardiologie gibt es jetzt ein Pilotprojekt über 13 Spitäler hinweg.

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Dabei geht es speziell um die Überwachung von Herzschrittmacher-Patienten im Rahmen eines "Home Monitoring". Das kann laut einer neuen Studie aus Deutschland wegen des Wegfalls vieler Ambulanzbesuche zu deutlichen Einsparungen führen.
Beim "Home Monitoring" in der Versorgung von Patienten mit chronischen Herzkrankheiten - speziell von Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz und/oder Herzschrittmachern, implantierten Defibrillatoren oder Geräten zur Resynchronisierung der Herzkammern - geht es darum, eine möglichst engmaschige Überwachung des Zustands der Kranken ohne häufige Kontrollen in Spitalsambulanzen zu gewährleisten. Dabei werden die Daten über das Funktionieren der Implantate bzw. bestimmte Gesundheitsparameter einfach via Handy an die Klinik geschickt. Das erspart Wegzeiten und Krankenhauskosten. Auf der anderen Seite sollen die Patienten nur dann in die Ambulanz kommen, wenn dies wegen Komplikationen wirklich notwendig ist, nicht jedoch als Routine, wenn belegt ist, dass der Zustand des Kranken normal ist und Herzschrittmacher etc. klaglos funktionieren.
Kostenstudie
Beim 14. Europäischen Jahreskongress der Internationalen Gesellschaft für Pharmaökonomie und -Ergebniskontrolle vor einigen Wochen in Madrid legte das deutsche Medzintechnikunternehmen Biotronik eine Studie vor, wie sich die Kosten und die Zahl der Nachsorgeuntersuchungen von Patienten mit implantierten Herzschrittmachern, Kardioverter-Defibrillatoren (ICDs) und Resynchronisationstherapie (CRT)-Implantaten in den kommenden vier Jahren entwickeln werden. Die ökonomische Modellrechnung von ging für Deutschland von rund 677.800 Patienten mit aktiven Herzimplantaten im Jahr 2010 aus. Würden für Patienten mit Herzschrittmachern zwei Routinenachsorgeuntersuchungen beim Arzt zugrunde gelegt und für Patienten mit ICDs oder CRTs vier, steige die Zahl der insgesamt 1,66 Millionen Routinenachsorgeuntersuchungen aus dem Jahr 2010 auf 2,23 Millionen im Jahr 2015. Unvorhergesehene Arztbesuche wurden dabei nicht berücksichtigt.
Allein die mit den Routineuntersuchungen verbundenen Kosten für Patienten und Kliniken würden sich im selben Zeitraum von 106 Millionen Euro auf 142 Millionen Euro erhöhen. Wenn - so die Studie - infolge von Home Monitoring 50 Prozent der Patienten einmal im Jahr zu einer Routinenachsorge gingen und ihre weiteren Untersuchungen per Fernnachsorge erfolgten, würde dies im Jahr 2015 eine jährliche Kostenersparnis von etwa 44 Millionen Euro für Patienten und Kliniken in Deutschland bedeuten.
"Durch die stetig wachsende Zahl der Patienten mit Herzimplantaten steigt auch der Bedarf an Nachsorgeuntersuchungen, der die Leistungserbringer vor echte Kapazitätsprobleme stellt", erklärte bei dem Pharmaökonomie-Kongress in Madrid vor einigen Wochen der deutsche Experte Carsten Stoepel vom Lukas Krankenhaus in Neuss.
Der Fachmann weiter: "Neue Strategien sind erforderlich, um diesen Bedarf, der ein erhebliches Plus an Arbeitsbelastung mit sich bringt, auch in Zukunft decken zu können." Wie eine wissenschaftliche Studie bereits gezeigt habe, könne mit telemedizinischer Überwachung die Anzahl von Klinik- und Nachsorgebesuchen bei niedergelassenen Ärzten bei Herzschrittmacherpatienten um rund 45 Prozent reduziert werden.
1.200 Patienten mobil überwacht
In Österreich wurden Mitte vergangenen Jahres mehr als 1.200 Patienten mit einem implantierbaren Herzschrittmacher oder Defibrillator werden bereits "mobil überwacht". Das sei aber viel zu wenig, betonen Fachleute. "Viel mehr Menschen und auch das Gesundheitssystem sollten vom Nutzen der neuen Technologie profitieren", erklärte damals der Kardiologe Michael Gruska als Leiter der "Taskforce Telemedizin" der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft.
Das Medizintechnikunternehmen Biotronik startete in Österreich ein entsprechendes Pilotprojekt. Die beteiligten 13 Krankenhäuser in Wien, der Steiermark, in Oberösterreich, Tirol und im Burgenland schulten Personal und installierten auf die telemedizinische Fernüberwachung ausgerichteten Ambulanzbetrieb. Im Rahmen des Versuches wurden bisher mehr als 100 Patienten auf eine fortlaufende telemedizinische Fernüberwachung im Routinebetrieb umgestellt. Das Home Monitoring-System übermittelt dem behandelnden Arzt fortlaufend alle Informationen einer bisher ambulant im Krankenhaus durchgeführten Schrittmacherkontrolle und informiert den Arzt zusätzlich auch über Normabweichungen in der Therapie.
"Die Notwendigkeit eines Ambulanzbesuches für den Patienten ergibt sich erst dann, wenn eine medizinische Intervention notwendig ist. Für den telemedizinisch überwachten Patienten bedeutet das in der Regel eine geringere Zahl an ambulanten Kontrollen im Krankenhaus", so Kardiologe Friedrich Rauscha von der MedUni Wien am AKH.
Eine innerhalb des Projektes durchgeführte Befragung hat laut Biotronik eine bemerkenswert hohe Akzeptanz dieser neuen Technologie unter den betroffenen Patienten ergeben. 98 Prozent der Schrittmacherpatienten sind überzeugt, dass mit der Fernüberwachung ihre medizinische Versorgung besser wird, 92 Prozent der Patienten fühlen sich damit sicherer. Rauscha: "So paradox es klingen mag, Telemedizin schafft keine Distanz zum Patienten, sondern rückt den Patienten viel näher in unser medizinisches Blickfeld, um die optimale Therapie fortlaufend sicher zu stellen und die Behandlung zu individualisieren."
Ein Problem gibt es aber in Österreich: Bisher laufen solche Telemedizin-Projekte in der Kardiologie vor allem über Spitalsambulanzen. Das wäre aber - so Gruska - gar nicht notwendig. Sehr leicht könnte das Home Monitoring auch von niedergelassenen Kardiologen durchgeführt werden.

















