Medikamente: Vernünftiger Gebrauch wichtiger als niedriger Preis
Um die Ausgaben für Medikamente besser im Griff zu behalten, ist es laut Experten vor allem wichtig, Medikamente in vernünftigem Ausmaß zu verschreiben und zu gebrauchen. Nur durch niedrige Preise ist das Problem nicht zu lösen.

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Ein rationaler und effizienter Gebrauch von Arzneimitteln - von der Verschreibung durch den Arzt über die Versorgung von Spitalpatienten bis zur Einnahme - hilft, die Ausgaben für Medikamente insgesamt besser im Griff zu behalten als niedrige Preise allein. "Wir haben das Problem, dass in vielen Ländern der Fokus nur auf dem Preis liegt", sagte Weltbank-Pharmaexperte Andreas Seiter am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. In den kommenden Tagen findet in Wien eine internationale Konferenz von Experten zum Thema Pharmapreise und -Erstattungspolitik (PPRI) statt.
Seiter: "Kein Land kann es sich leisten, alles zu bezahlen, was neu auf dem Markt kommt, ohne Grenzen einzuziehen." Der "Spagat" zwischen Sicherstellung des Zugangs zu den wichtigen Medikamenten und Kostenüberlegungen ist nicht neu, verschärft sich aber mit der derzeitigen Finanzkrise. Während in "reifen Märkten" wie Österreich, Deutschland, Niederlanden, Dänemark, Schweden etc. die Entwicklung der Ausgaben für Arzneimittel moderat ist, kommen viele andere Staaten in zunehmende Probleme.
Der Experte: "Im OECD-Schnitt werden pro Einwohner und Jahr zwischen 300 und 400 US-Dollar für Arzneimittel ausgegeben. In den Schwellenländern sind aber oft nur 50 bis 100 Dollar verfügbar. Hier ist die Frage, wie man wichtige, lebensrettende, lebensverlängernde und die Lebensqualität steigernde Medikamente jenen zur Verfügung stellt, die sie wirklich brauchen." Eine Möglichkeit sei, so Seiter: "Man sollte nicht nur auf den Preis, sondern auf das Volumen zu schauen." Übertreibt man nicht mit massenhaft rezeptierten oder gekauften Arzneimitteln, bleibt Geld auch für die Bereitstellung von Therapien zur Verfügung, die für Patienten mit besonderem Bedarf von entscheidender Bedeutung sind.
Richard Laing, Experte für Medizin-Information und Politikberatung der WHO in Genf: "Die endgültigen Gesamtausgaben für Medikamente hängen mehr vom Gebrauch als vom Preis ab." Weglassen von Unnötigem, starke Generika-Verwendung mit Preisreduktion von 90 bis 95 Prozent und adäquater Gebrauch der Arzneimittel durch die Patienten selbst seien die wesentlichsten Steuerungs- und Effizienzmechanismen. Günstig wäre es auf jeden Fall, die Verschreibung von Medikamenten in Spitälern und in der niedergelassenen Praxis sektorübergreifend zu gestalten.
Dass die national unterschiedlichsten Systeme in vergleichbaren Staaten zu durchaus ähnlichen Effekten führen, zeigen folgende OECD-Daten: Von 2005 bis 2009 stiegen die Ausgaben für Arzneimittel (niedergelassener Bereich, rezeptfrei und OTC-Produkte, bezahlt privat und aus öffentlichen Mitteln) in Österreich um 16 Prozent, in Deutschland waren es 15 Prozent, in den Niederlanden 14 Prozent, in Schweden 15 Prozent. In Rumänien erhöhten sich die Ausgaben hingegen beispielsweise um 56 Prozent, die EU-15-Staaten hatten einen Zuwachs um 15 Prozent.
Sabine Vogler, Leiterin des WHO-Kooperationszentrums für Arzneimittelpreisbildung und -erstattung bei Gesundheit Österreich und Organisatorin der Tagung, betonte die Positiva des österreichischen Systems für den gleichen Zugang zu Therapien: "Wir haben eine hundertprozentige Preiserstattung. Das ist relativ selten in Europa." Bei Kostenbeiträgen durch die Patienten in einzelnen Ländern von 20 bis 80 Prozent kämen da schnell erhebliche Belastungen zusammen. Österreich habe allerdings nach wie vor einen unterentwickelten Generika-Markt.

















