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Zuletzt aktualisiert: 29.05.2011 um 05:00 UhrKommentare

Damit die Gefühlsuhr wieder richtig geht

Philip, Noah und Lea sind Scheidungskinder. Alle drei gehen einmal die Woche zu Rainbows, wo sie in Kleingruppen lernen, wie man auch in stürmischen Zeiten stehen bleibt und wie sie ihre Gefühlsuhr wieder auf "Grinsen" stellen können.

Noah erzählt seiner Mama nicht so gerne von seinen Gefühlen

Foto © Marija KanizajNoah erzählt seiner Mama nicht so gerne von seinen Gefühlen

Tränchen wurde schon von vielen Händen gehalten. Jetzt sitzt es in Leas Schoß. "Die Mama war schon oft traurig", erzählt sie, "dann hab ich mich einfach zu ihr hingekuschelt." Lea ist ein Scheidungskind und Tränchen ist das Maskottchen der Rainbows-Gruppe, in die Lea einmal die Woche geht. In der Schule wird Lea manchmal gefragt: "Was ist denn Rainbows?" Lea sagt dann: "Da sind Menschen, die Kindern helfen, deren Eltern sich scheiden lassen."

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Foto © Marija kanizaj

Foto vergrößernmaskottchen Tränchen ist für alle da, auch für LeaFoto © Marija kanizaj

Leas Eltern haben sich getrennt, als sie sieben Jahre alt war. Lea kann sich noch an den Tag erinnern, als ihr ihre Eltern von der Scheidung erzählt haben. "Ich habe ein ganzes Packerl Taschentücher gebraucht." Wie man den eigenen Kindern sagt, dass man sich scheiden lässt, das weiß Silvia Strutz, Leas Mama, auch nicht genau. "Wir haben uns alle an den Tisch gesetzt. Dann musste es einfach raus." Danach hat Silvia Strutz eine Zeit lang nach dem Grundsatz gelebt: Es muss ja weiter gehen. Den Spagat zu schaffen, zwischen den eigenen Gefühlen und der Verantwortung dem Kind gegenüber, war für sie das Schwierigste. "Die Kinder können nichts dafür und müssen es trotzdem erdulden."

Die Rainbows-Gruppe hat Lea dabei geholfen. "Ich kann alles sagen und es bleibt in der Gruppe", weiß Lea. Und sie erzählt von der Gefühlsuhr, die anzeigt, wie es einem gerade geht. Wie schaut Leas Gefühlsuhr aus? "So", sagt sie und grinst, so breit sie kann. Nur manchmal, wenn sie am Wochenende vom Papa weg wieder nach Hause fährt, dann schaut die Uhr anders aus. "Weil irgendwie will ich beim Papa bleiben, aber ja auch zur Mama."

2.580

Im Jahr 2009 wurden in der Steiermark 2580 Ehen geschieden. Österreichweit waren es 18.806. Die Scheidungsrate in der Steiermark lag bei 44 Prozent, knapp unter dem Österreich-Schnitt.

Tränchen, das jetzt bei Noah sitzt, hat große Füße - damit man gut stehen kann, auch wenn es einmal stürmisch ist. Noah ist es eine Zeit lang nicht gut gegangen. Als seine Eltern sich getrennt haben, war er zwar noch klein, aber "er hat trotzdem viel mitbekommen", weiß seine Mama Eva Brunnhuber. Noah redet nicht gerne über seine Gefühle, zumindest nicht mit seiner Mama, meint diese. Einmal in der Woche tut er es aber doch, in der Rainbows-Gruppe. "Noah war früher sehr aggressiv", sagt seine Mama, "aber das hat sich sehr gebessert." Manchmal erzählt er ihr dann auch Dinge aus der Gruppenarbeit, zum Beispiel: "Andere können ihren Papa gar nicht sehen." Noah sieht seinen Papa am Wochenende und badet bei ihm im Pool. "Manchmal vermisse ich ihn schon", sagt er.

3.000

Von einer Scheidung waren im Jahr 2009 rund 3000 Kinder in der Steiermark betroffen, 138 von ihnen waren unter drei Jahre alt. Mehr als ein Drittel der geschiedenen Ehen war kinderlos.

Tränchen hat auch eine große Nase, damit kann es riechen, wenn es jemandem schlecht geht. "Es ist schon blöd, wenn ich mit meinem Papa was ausmache und dann kommt er nicht", sagt Philip, der noch elf ist, aber im August zwölf Jahre alt wird. Traurig ist er dann aber nicht mehr, er ärgert sich eher. "Wir reden viel darüber, wie es uns geht", erzählt Philip von der Gruppenarbeit.

Auch für die Eltern werden Gespräche angeboten. "Da erfährt man viel darüber, wie es dem eigenen Kind geht", sagt Philips Mama, Brigitte Berghofer. "Als Mutter muss man versuchen, die eigenen Gefühle hintanzustellen", erzählt Berghofer, "auch wenn es nicht immer geht." Und wenn es einmal gar nicht mehr geht, gibt es ja immer noch Tränchen, mit seinen großen Füßen.

SONJA SAURUGGER

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Foto © Marija Kanizaj

Bild vergrößernPhilip geht schon zum zweiten Mal in eine Rainbow-GruppeFoto © Marija Kanizaj

Rainbows

Der Verein Rainbows betreut seit 20 Jahren Kinder nach Scheidungen oder dem Tod naher Angehöriger.

Der nächste Gruppenstart ist im Oktober, Informationen unter www.rainbows.at.

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