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Zuletzt aktualisiert: 08.10.2010 um 11:09 UhrKommentare

Kinderwunsch: Jedes sechste Paar benötigt Hilfe

Beim Wunsch nach eigenem Nachwuchs sind Paare immer häufiger auf medizinische Hilfe angewiesen. 1996 wurden in Europa noch rund 200.000 Behandlungszyklen zur künstlichen Befruchtung registriert, zehn Jahre später waren es schon annähernd eine halbe Million.

Foto © Reuters

Jedes sechste Paar ist inzwischen auf ärztliche Unterstützung angewiesen, um sich den Kinderwunsch erfüllen zu können, geht aus einer Studie hervor, die beim European Health Forum Gastein (EHFG) erörtert wurde. Im gleichen Zeitraum hat sich auch die Zahl der Kliniken, die an der Erhebung teilgenommen haben, ungefähr verdoppelt.

Mehr als 4,3 Millionen IFV-Babys weltweit

Seit der Geburt des ersten Retortenbabys vor 32 Jahren sind mehr als 4,3 Millionen Kinder dank der Invitro-Fertilisation (IFV) zur Welt gekommen. Immer noch haben aber viele europäische Paare in ihrer Heimat kaum eine oder gar keine Möglichkeit, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, und müssen sich dazu ins Ausland begeben. Unterschiede in religiöser, kultureller, sozialer und ethischer Hinsicht sind der Grund für die uneinheitlichen Regelungen. Besonders umstrittene Themen sind dabei die Einzellen- und Embryonenspende, die Leihmutterschaft und die Präimplantations-Diagnostik.

Dabei gibt eine EU-Richtline aus dem Jahr 2004, die Qualitäts- und Sicherheitsstandards für die Spende, Beschaffung, Testung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung von menschlichen Geweben und Zellen vorsieht. "19 Mitgliedsstaaten haben spezifische gesetzliche Vorgaben für IVF, in den anderen acht Ländern wird das Thema durch die allgemeine Gesundheits-Gesetzgebung abgedeckt", sagte Isabel de la Mata, Vertreterin der EU-Kommission. "Welche Fertilitäts-Therapien erlaubt sind, welcher Personenkreis Zugang dazu hat und ob die Kosten dafür von der Allgemeinheit getragen werden, ist daher von Land zu Land höchst unterschiedlich geregelt."

Hilfe im Ausland

Das hat zur Folge, dass viele Betroffene Hilfe im Ausland suchen, "mit allen gesundheitlichen Risiken für sich selbst und ihre ungeborenen Kinder", betonte Clare Lewis Jones, Vorsitzende des europäischen Dachverbandes von Selbsthilfegruppen Fertility Europe. Grenzüberschreitender Gesundheitstourismus in Sachen Kinderwunsch gewinne in Europa zunehmend an Bedeutung. Alleine in sechs untersuchten Ländern (Belgien, Tschechische Republik, Dänemark, Schweiz, Spanien und Slowenien) würden 11.000 bis 14.000 Patienten zur Behandlung ins Ausland ausweichen. "Wir schätzen, dass insgesamt 30.000 Paare außerhalb ihrer Landesgrenzen eine IVF-Behandlung in Anspruch nehmen", so Luca Gianaroli, Vorsitzender der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE).

Gianaroli forderte eine intensive Auseinandersetzung mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen innerhalb der EU, damit "alle Betroffenen und ihr Nachwuchs von Behandlungsmethoden mit erwiesenem wissenschaftlichen Nutzen profitieren können", und dies unabhängig von ihrer sozialen Situation, ihrem Familienstand und ihrem Wohnort.


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