Falsche Medikamenteneinnahme kostet 200 Milliarden Euro
Medikamente wirken nur, wenn sie richtig eingenommen werden. Was so einfach klingt, ist in Wahrheit ein massives gesundheitspolitisches Problem, das bis zu 200 Milliarden Eurp im Jahr kostet.

Foto © Fotolia: Ramona Heim
Werden Arzneimittel nicht oder mangelhaft eingesetzt , hat das nicht nur negative Folgen für die Gesundheit der Betroffenen, sondern verursacht auch erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem. Diese werden für ganz Europa auf 200 bis 300 Milliarden Euro geschätzt, wurde heute, Donnerstag, beim European Health Forum Gastein (EHFG) informiert.
Die Deutsche Gesellschaft für bürgerorientierte Gesundheitsversorgung (DGbG) vermutet, dass nur jeder dritte chronisch Kranke die Therapie genau einhält. Und laut American Heart Association sind zehn Prozent der Krankenhausaufenthalte und ein Viertel der Einweisungen in Pflegeheime eine Folge von mangelnder Medikamenteneinnahme.
Nicht können oder nicht wollen
"Das Nicht-Einhalten von Therapien ist immer ein komplexes Zusammenspiel zwischen Nicht-Können und Nicht-Wollen", meinte der Psychologe Gerald Ullrich. Es könne an fehlender Information liegen, wie ein Medikament richtig einzunehmen ist, oder daran, dass die Einnahme vergessen wird. "Es kann aber auch eine bewusste Entscheidung gegen die Therapie sein, weil Betroffene nicht von der Sinnhaftigkeit überzeugt sind", so der Experte. "Oftmals ist es nicht ein Grund alleine, der zur unvollständigen Therapieumsetzung führt, sondern ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren."
Daher sei ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Behandlern und Patienten eine entscheidende Voraussetzung, so der Psychologe. Der Arzt sollte daher auf die Therapie-Erwartung des Patienten eingehen und diese ausreichend in die Behandlungsplanung einbeziehen.
Unterstützung gebe es aber auch von den Medikamenten-Herstellern und Medizindienstleistern: Sogenannte Compliance-Hilfen wie Aufklärungsmaterial und Patiententagebücher, spezielle Pillenbehälter oder Blister mit einer Einteilung nach Wochentagen, elektronische Erinnerungssysteme - zum Beispiel per SMS - sollten die Behandlungstreue fördern. Solche Hilfen müssten sehr gezielt eingesetzt werden, je nachdem, welche Ursachen eine mangelhafte Medikamenteneinnahme habe, rät Ullrich.

















