Neue Analgetika gegen Nervenschmerzen
Bisher gab es gegen Nervenschmerzen nur bedingt Hilfe. Zwei neue Wege zur Behandlung bestehen aus dem ersten echten neuen Wirkstoff in der Analgetika-Therapie seit rund 25 Jahren und aus einem Capsaicin-Pflaster, das Schmerzrezeptoren längere Zeit lahmlegen soll.

Foto © Fotolia: Bilderbox
Erst vor wenigen Tagen wurde das Analgetikum "Tapentadol", ein Schmerzmittel, welches das deutsche Pharmaunternehmen Grünenthal entwickelt hat, in Brüssel offiziell präsentiert. Der Wirkstoff mit einem langfristigen Freisetzungsmechanismus vereinigt in seinem Molekül erstmals zwei unabhängige analgetische Prinzipien: einen Effekt auf die Opioid-Rezeptoren, die Kontaktstellen für Morphium etc., und gleichzeitig die Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung (NRI) von herkömmlichen Antidepressiva. Das nennen die Fachleute nun die "MOR-NRI"-Substanzklasse.
Weniger Nebeneffekte
Der Name des Wirkstoffes klingt für Nicht-Chemiker oder Nicht-Pharmazeuten durchaus "exotisch": 3-[(1R,2R)-3-(Dimethylamino)-1-ethyl-2-methylpropyl]phenol Hydrochlorid. Er dürfte bei mehr Patienten in vergleichbarer Weise wie das häufig verwendete Opioid Tramadol wirken und auch weniger Nebeneffekte haben.
Ein zusätzlicher Vorteil liegt bei Nervenschmerzen vor. Auf herkömmliche Analgetika inklusive der Opioide sprechen diese oft unzureichend an. Ralf Baron, Schmerzexperte von der Universitätsklinik in Kiel im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein bei der Präsentation in Brüssel: "In einer Studie mit Vergleich zu einer Placebo-Gruppe wurde ein Effekt auch bei Patienten mit schmerzhafter Neuropathie durch Diabetes bewiesen." Es scheint, als würden hier einander die Wirkungen der Substanz auf die Opioid-Rezeptoren und ihr Effekt, der zu einer höheren Konzentration des Nervenbotenstoffs Noradrenalin im synaptischen Spalt zwischen Nervenzellen führt, besonders gut ergänzen.
Tapentadol wurde bisher in klinischen Studien mit mehr als 3.600 Patienten untersucht. Es dürfte sowohl bei mittleren bis schweren Rücken- und Gelenksschmerzen sowie bei diabetischer Neuropathie wirken. Auf der anderen Seite kommt es weniger häufig zu Übelkeit und anderen Magen-Darm-Nebenwirkungen. In dieser Woche in Wien vorgestellt wird auch ein anderes Wirkprinzip gegen neuropathische Schmerzen: Der Chilli-Paprika-Inhaltsstoff Capsaicin in Pflasterform. Nach dem kurzzeitigen Aufkleben des Pflasters kommt es zu einer derartigen Überreizung der Schmerzsignal-Rezeptoren, dass diese dann rund drei Monate "streiken". Capsaicin in der Form von Salben gab es schon bisher auf dem Markt.

















