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Zuletzt aktualisiert: 13.09.2010 um 13:31 UhrKommentare

Die Renaissance der Blutsauger

Während es viele Jahrzehnte in Österreich kaum Probleme mit Bettwanzen gab, droht nun eine Renaissance der Blutsauger. Wie man sich am besten gegen die Tierchen wappnet, erfahren Sie hier.

Foto © chb

Vor allem aus den USA häufen sich in den vergangenen Jahren Medienberichte über Massenvermehrungen der Bettwanzen (Cimex lectularius), etwa New York, Detroit und Philadelphia sind besonders betroffen. Aber auch aus Deutschland gibt es Meldungen über zunehmende Probleme. Erst kürzlich wurde in Tirol ein Waggon der Deutschen Bundesbahn wegen Wanzenbefalls aus dem Verkehr gezogen.

Herbert Zettel, Wanzenforscher am Naturhistorischen Museum Wien, sieht als Ursache für die Entwicklung vor allem die Reisetätigkeit des Menschen. Die nur wenige Millimeter großen und extrem flachen, flügellosen Tiere können praktisch mit jedem Kleidungs- oder Gepäckstück quer über den Globus transportiert werden. Experten sehen auch den erst seit wenigen Jahren üblichen Handel mit alten Möbeln über das Internet als mögliche Verbreitungshilfe für die Bettwanzen.

Angst vor Giften

Wissenschafter gehen davon aus, dass die Veränderungen der Wohnungen und Wohnungseinrichtungen, das Verschwinden von Ritzen und Spalten als potenzielle Versteckmöglichkeiten sowie der anfangs eher hemmungslose Einsatz von Pestiziden Mitte bis Ende des vergangenen Jahrhunderts zum Rückgang der Wanzenpopulationen in Mitteleuropa geführt haben. Nach Bekanntwerden der schädlichen Wirkungen vor allem des Insektenvernichtungsmittels DDT sind die Menschen beim Einsatz von Giften vorsichtiger geworden. Gemeinsam mit Resistenzbildungen unter den Insekten gegen verschiedene Mittel hat das zur Wiederverbreitung der Parasiten beigetragen.

Im Gegensatz zu anderen Parasiten kommen Bettwanzen ausschließlich zur Blutmahlzeit aus ihren Verstecken, ansonsten bekommt man sie praktisch nicht zu Gesicht, so Zettel. Die Tiere setzen beim Stich - eigentlich ist es ein Biss, da er mit zu einem Saugrüssel umgebildeten Mundwerkzeugen ausgeführt wird - sowohl ein Gerinnungsmittel als auch ein wirksames lokales Betäubungsmittel ein. Durch dieses Anästhetikum verspürt das Opfer während des einige Minuten dauernden Saugvorgangs oft nichts. Erst nach einiger Zeit, wenn die Wanze sich längst in ein sicheres Versteck zurückgezogen hat, beginnt der Einstichstelle stark zu jucken.

Wanzenstraßen

Von anderen Angriffen durch diverse Blutsauger zu unterscheiden sind Wanzenbisse etwa durch das häufig zu beobachtende Phänomen der Wanzenstraßen. Da die Tiere meist nicht auf Anhieb eine ideale Zapfstelle finden, entstehen mehrere, hintereinanderliegende Einstichdippel.

Cimex lectularius gilt als sogenannter Kulturfolger und hat sich auf den Menschen als Opfer spezialisiert. Die Parasiten verschmähen aber auch den Lebenssaft von anderen Warmblütern nicht. Häufige Wirte sind Haustiere oder auch Tauben, die es sich in der Nähe von menschlichen Behausungen bequem gemacht haben.

Ob Wanzen beim Blutsaugen Krankheiten übertragen können, ist wissenschaftlich noch umstritten. Auslöser von Epidemien dürften die Bettwanzen jedenfalls nicht sein, es ist laut Experten aber auch nicht auszuschließen, dass sie etwa Hepatitis B übertragen können. Was die Erregerübertragung im großen Stil verhindert, ist etwa die Tatsache, dass die Wanzen vergleichsweise selten stechen. Eine Blutmahlzeit reicht für viele Monate.

Hat man Bettwanzenbefall in den eigenen vier Wänden festgestellt, sollte man die Bekämpfung Experten überlassen. Die Ausrottung der lästigen Mitbewohner ist entweder mit Gift oder Wärme möglich. Ein Aufwärmen der befallenen Wohnung auf über 45 bis 55 Grad lässt sowohl Wanzen wie auch ihre Brut absterben.


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